Bild: Cinderella - A Rock
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Information zur Veranstaltung

frei nach den Gebrüdern Grimm (Jakob 1785–1863, Wilhelm 1786–1859)

Im „Marburger Theatersommer 2016« wird aus „Aschenputtel“ ein schräges und phantastisches Open Air-Spektakel: Einen Abend lang soll die Welt nach anderen Regeln funktionieren und der Underdog mitten auf dem Marburger Marktplatz, im gleißenden Licht der Suchscheinwerfer und zum Sound verzerrter Gitarren, seinen Triumph über das Böse feiern.

Aschenputtel – eine junge Frau in unwürdigen Verhältnissen. In der neuen Patchworkfamilie rangiert sie in der Hackordnung ganz unten. Die arrogante Stiefmutter und die beiden bösartigen Stiefschwestern quälen sie bis aufs Blut, verspotten sie, zwingen sie, im Haushalt alle niederen Arbeiten zu verrichten. Sie wird quasi zur Privatsklavin der neuen Herrinnen des Hauses degradiert und ihr Vater hat nicht das nötige Rückgrat, sich gegen seine Frau und ihre Sprösslinge zu behaupten. Da flattert die einmalige Chance auf Veränderung in Form einer Einladung zum Ball ins Haus, die alle jungen Mädchen des Landes erhalten – der junge Thronfolger soll sich endlich eine Braut wählen. Aber Stiefmutter und -schwestern sind gut vorbereitet: Versehen mit einer lächerlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wird Aschenputtel zu Hause eingesperrt, wie so oft.
So weit, so banal und grausam. Die Lage für die junge Frau wäre aussichtslos, befanden wir uns nicht in einem Märchen. Denn hier schlägt, gleich einem magischen Blitz, stets das unerwartete Wunder ein und rückt die Verhältnisse gerade.

Es geht immer um Hoffnung. Märchen sind erzählte Träume, so die Theaterwissenschaftlerin und Berlins älteste Märchenerzählerin Nina Korn im Interview mit der taz. In der Welt der Märchen existiert all das altbekannte Wunderbare nicht nur, sondern es garantiert etwas, was wir in unserer heutigen Lebenswelt so oft und schmerzlich vermissen: Gerechtigkeit. Die Guten und Bescheidenen werden belohnt, die Bösen, Raffgierigen und Überheblichen gnadenlos bestraft. Märchen sind Utopien, Ermächtigungsphantasien in einer Welt, die damals wie heute wenig Rücksicht auf moralische Integrität nimmt. Das Muster des Verlierers, der den verdienten großen Sprung aus der Misere schafft, liegt vielen dieser Erzählungen zu Grunde und ist wohl ausschlaggebend dafür, dass diese auch heute noch nicht nur Kinder, sondern ebenso Erwachsene faszinieren: Sie machen Mut in einer Welt, die uns mehr als genug Gründe gibt, Angst zu haben.

Das verbindet die Geschichte von Aschenputtel mit ihrer modernen Variante – der des Stars, der, aus einfachen Verhältnissen kommend, durch Talent, harte Arbeit und die nötige Portion Glück zur Showgröße der Superlative wird. Früher waren die Träger solcher Phantasien vor allem Biographien wie die von Norma Jean, die zu Marilyn Monroe wurde. Ihr Weg vom Waisenhaus in die Hall of Fame der Popkultur liefert die Vorlage für den Traum, das eigene Leben hinter sich zu lassen und sein Selbst erfolgreich neu zu erfinden. Heute drückt die Republik in Castingshows vor allem den Kandidaten die Daumen, deren Lebensweg Rückschläge und Schieflagen aufweist. Mit ihnen fühlen wir ebenso mit wie mit der gedemütigten und geknechteten Protagonistin des Märchens. Ihnen gönnen wir den Erfolg, das Glück, das unerwartete Wunder und das Happy End.

Und so haben auch Aschenputtels bösartige Stiefmutter und -schwestern die Rechnung ohne die Regeln der Erzählgattung und ohne die gute Fee gemacht: Ein bisschen Glitter hier, ein bisschen Glamour da, und schon ist aus dem unscheinbaren Mädchen ein echter Hingucker geworden. ›A star is born‹. Aus Aschenputtel wird Cinderella! Und nun wollen wir doch einmal sehen, wer am Ende dem Prinzen den Kopf verdreht.

„One dream, one soul,
one prize, one goal,
one golden glance
of what should be.
It’s a kind of magic.“
Queen, „A Kind of Magic“