Er hat Brechts Anspruch an ein gesellschaftlich relevantes Theater so konsequent fortgeschrieben, wie kein anderer nach ihm: Heiner Müller (1929-1995). „Der Auftrag“ in der Regie von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner schließt Müllers Text mit Brechts epischer Spielweise kurz. Die Stimme des Autors erklingt aus dem Off. Ein zirzensischer Spaß mit einem hinreißenden Schauspielensemble. Die drei Emissäre der Französischen Revolution Debuisson, Galloudec und Sasportas haben den Auftrag, auf der Insel Jamaika eine klavenrevolte anzustiften.
Die Drei könnten unterschiedlicher nicht sein: Debuisson ist bürgerlicher Sohn von Sklavenhaltern, Galloudec ein Bauer aus der Bretagne und Sasportas ein schwarzer Revolutionär, der die Herrschaft der Kolonialherren am eigenen Leib erfahren hat. Als in Frankreich Napoleon die Macht übernimmt, beginnt eine neue Zeit. Das
Trio gerät in Streit, ob der Auftrag nach wie vor gültig ist. Heiner Müller schrieb „Der Auftrag“ 1979. Als Vorlage diente ihm die Erzählung „Das Licht auf dem Galgen“ von Anna Seghers. Entstanden ist ein Stück
über Verrat und das Scheitern von Utopien.
Mit: Sarah Franke, Corinna Harfouch, Janko Kahle, Jürgen Kuttner, Daniel Nerlich, Hagen Oechel, Jonas Steglich • Regie: Tom Kühnel, Jürgen Kuttner • Bühne: Jo Schramm, Anna Sörensen • Kostüme: Ulrike Gutbrod • Musik: Hannes Gwisdek, Peter Bartz, Moritz Bossmann, Boris Nielsen (Die Tentakel von Delphi) • Video: Peer Engelbracht, Stephan Komitsch Eine Koproduktion des Schauspiels Hannover mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
Ort: B13, martini-Park, Große Bühne/ Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause