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Bild: Der Verlorene - Badische LandesbühneBild: Der Verlorene - Badische Landesbühne
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Information zur Veranstaltung

Ein Foto auf der ersten Seite des Familienalbums zeigt ein lachendes Kleinkind. Auf diesem Foto bleiben die Blicke der Eltern immer wieder lange ruhen. Es ist das einzige Foto von Arnold. Von Arnolds jüngerem Bruder hingegen gibt es viele Bilder. Fotos in schlechter Qualität, auf denen man ihn kaum erkennt. Während der jüngere Sohn lebt, ist Arnold im letzten Kriegsjahr auf der Flucht aus den Ostgebieten verhungert. So zumindest erzählen es die Eltern. Erst allmählich erfährt der Protagonist die wahre Geschichte: Arnold ist nicht gestorben, die Mutter hat ihn auf der Flucht verloren. Nun beschließen die Eltern, ihren Sohn zu suchen. Vieles spricht dafür, dass Findelkind 2307 ihr Erstgeborener ist.

Während die Eltern hoffen, Arnold endlich gefunden zu haben, sieht der jüngere Bruder sich vom möglichen Auftauchen des älteren bedroht. Bisher spielte der tote Bruder die Hauptrolle im Leben der Familie und drängte ihn, den jüngeren, in die Nebenrolle. Jetzt scheint ihm der ältere auch diese noch streitig zu machen. Hoffnungsvoll stürzen sich die Eltern in ein langwieriges Prozedere mit unzähligen Untersuchungen, die die Verwandtschaft zwischen ihnen und Findelkind 2307 bestätigen sollen. Sie treffen dabei auf Menschen und Methoden, die von der noch jungen nationalsozialistischen Vergangenheit und Rassenwahn zeugen. Alle Untersuchungen können letztlich nur die Unwahrscheinlichkeit der Verwandtschaft feststellen. Als sich die vermeintlichen Brüder schließlich doch ein einziges Mal sehen, meint der jüngere im älteren tatsächlich sein Spiegelbild zu erkennen.


Hans-Ulrich Treichel erzählt die Suche nach dem Verlorenen aus der Sicht dessen jüngeren Bruders und legte mit seinem Roman „eine subtile Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik“ vor. Der Verlorene ist in Baden-Württemberg ab dem Abitur 2021 Sternchenthema im Leistungsfach Deutsch


Hans-Ulrich Treichel
Hans-Ulrich Treichel wurde 1952 in Versmold geboren und ist als Lyriker, Autor und Lektor tätig. Für sein literarisches Werk wurde er mit zahlreichen Preisen gewürdigt. Zudem war er von 1995 bis 2018 Professor am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. In Der Verlorene setzt er die Flucht seiner Eltern und den Verlust ihres erstgeborenen Sohnes gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Beziehung zu seiner eigenen Kindheit und Jugend.