Bild: Der blaue Reiter ist gefallen - Oder: Europa am Abgrund
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Information zur Veranstaltung

Auf magische Weise nimmt das Multimedia-Stück über die bewegende Freundschaft zwischen der exzentrischen Dichterin Else Lasker-Schüler und dem expressionistischen Maler Franz Marc die Zuschauer mit auf eine Zeitreise an den Beginn des vergangenen Jahrhunderts, die „Belle Epoque“. Kultur und Technik schwingen sich zu ungeahnten Höhen auf; doch am Horizont der Zeit ziehen düstere Wolken auf: apokalyptische Visionen, die den Weltenbrand des I. Weltkrieges vorwegahnen. Das Stück zeigt die Träume und Hoffnungen, aber auch über die Irrtümer der expressionistischen Generation.

1912 treffen sich die Dichterin und der Maler sich zum ersten Mal in einem Berliner Café. Es ist der Beginn einer großen Freundschaft und zugleich eines einzigartigen Dialogs aus Wort und Bild. Als Franz Marc 1916 an der Westfront fällt, schreibt Else Lasker-Schüler in ihrem Nachruf auf den großen Maler und Freund: „Der Blaue Reiter ist gefallen.“ Ihre Worte sind eine Hommage an einen der wichtigsten Protagonisten der expressionistischen Bewegung und zugleich ein Menetekel für den „Wildkrieg“, wie sie diese Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts genannt hat.

Die Rolle der Else Lasker-Schüler/des Prinzen Yussuf spielt die brasilianische Tänzerin und Jazzsängerin Gilda Rebello. Gilda Rebello ist die wohl exotischste und vielseitigste Else, die es je auf der Bühne zu sehen gab: Nach ihrem Tanz-, Gesangs- und Schauspielstudium in Rio de Janeiro war Rebello vier Jahre am Folkwang Tanzstudio unter der künstlerischen Leitung von Pina Bausch engagiert, in deren Compagnie sie oftmals gastierte und in internationalen Tourneen zu sehen war. 2011 choreographierte sie beim Bayreuth Festival das Projekt "Ich bin der Welt abhandengekommen". Danach wirkte sie bei der preisgekrönten Band „Tape Five“ als Sängerin mit. Mit Tape Five war sie an internationalen Tourneen von Sao Paulo bis Seoul (2013 - Seoul Jazz Festival) und überall in Europa engagiert.

Die surrealen Videobühnenbilder des Filmemachers Frank N erinnern an die rasanten Veränderungen - Zeppeline, Flugzeuge, Ozeanriesen -, und entführen den Zuschauer auf eine nostalgische Reise in die Vergangenheit. In einem eigens für die Eingangssequenz geschaffenen Film wird die Vision der Dichterin Else Lasker-Schüler bildhaft gemacht, für die die Stadt Theben ein Sinnbild für das Reich der Poesie war. Innerhalb des Videobühnenbildes sind auch die gemalten Postkarten, die die beiden Künstler einander sandten, zu sehen. Der Pianist Jan Marc Reichow sowie der Wuppertaler Musiker, DJ und Soundtüftler Charles Petersohn spannen einen weiten musikalischen Bogen von Maurice Ravels La Valse über den Blues und der orientalischen Musik der nordafrikanischen Nomaden bis hin zu John Cage und präsentieren so eine Live-Bühnenmusik, zu der die Bilder, Worte und Gilda Rebello tanzen.

(Quelle: Foto © Dr. C. Krauskopf und Judith Schoenwiesner)