Bild: Die Blechtrommel - inszeniert von Volkmar Kamm
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Information zur Veranstaltung

Schauspiel nach dem Roman von Günter Grass
für die Bühne eingerichtet von Volkmar Kamm

DER JAHRHUNDERTROMAN JETZT AUF DER BÜHNE

Aus der Nobelpreis-Laudatio für GünterGrass1999
Das Erscheinen der „Blechtrommel“ bedeutete die Wiedergeburt für den deutschen Roman des 20. Jahrhunderts. „Die Blechtrommel“ bezieht ihr Temperament als Roman von einem Ich-Erzähler, der seinesgleichen sucht, in der Dichtung wie auf Erden. Oskar Matzerath [ist] eine vollkommen originäre Schöpfung: eine infernalische Intelligenz in dem Körper eines Dreijährigen, ein Monster, das sich der Menschheit aufdringlich mit Hilfe einer Spielzeugtrommel nähert, ein Intellektueller mit Kinderei als kritischer Methode.
Dr. phil. Horace Engdahl, Mitglied der Schwedischen Akademie

Regie: Volkmar Kamm Bühnenbild: Alexander Roy Kostüme: Uschi Haug
Mit: Raphael Grosch, Stephanie Stroebele, Jens Peter Brose, Juliane Köster, Ralf Grobel, Marina Lötschert, Daniel Große Boymann, Carsten Klemm und Melina Schöfer u. a.
9 Schauspieler spielen die über 20 Rollen

Inhalt
Im Rückblick erzählt der mittlerweile fast auf Normalgröße gewachsene Blechtrommler Oskar Matzerath von seinem Leben – angefangen von der Zeugung seiner Mutter auf einem kaschubischen Kartoffelacker 1899 bis zu seinem 30. Geburtstag 1954:
Zwei Väter hat der 1924 in Danzig geborene Oskar, dessen geistige Entwicklung nach eigenen Angaben schon bei der Geburt abgeschlossen war: den polnischen Vetter seiner Mutter, mit dem sie ein Verhältnis hat, und ihren deutschen Ehemann, den Kolonialwarenhändler Alfred Matzerath. An seinem dritten Geburtstag stoppt Oskar sein Wachstum mit einem gezielten Sturz auf der Kellertreppe und entdeckt gleichzeitig, dass er die zerstörerische Gabe besitzt, Glas zu zersingen. An diesem Tag bekommt er auch seine erste Blechtrommel geschenkt, die für ihn zum Protest- und Verweigerungs-Instrument wird. Mit ihr wird er durch einen Walzertakt den martialischen Marschrhythmus der Nazis durcheinander bringen, mit ihr begleitet er den kleinwüchsigen Clown Bebra drei Jahre beim Fronttheater im besetzten Frankreich, durch sie verschuldet er den Tod seines Zweitvaters beim Einmarsch der Siegermächte 1945, mit ihr wird er auf Konzertreisen und mit Schallplatten ein reicher Mann.
Natürlich kommen bei Volkmar Kamm wie auch schon bei Grass die amourösen Verwicklungen der Familie Matzerath & Co. nicht zu kurz, für die der Jahrhundertroman berühmt-berüchtigt ist. Angefangen mit der Urszene auf dem Kartoffelacker über die mütterlichen Seitensprünge, die Oskar als neugieriger Augenzeuge beobachtet, bis hin zur berühmt gewordenen Brausepulver-Episode enthält Kamms Dramatisierung alles, was man an Bildern nach Lektüre und Film im Kopf hat.

Über den Autor der Bühnenfassung
Der Regisseur, Dramaturg und Oberspielleiter Volkmar Kamm ist in allen Sparten zu Hause. Nach seinem Studium der Germanistik, Publizistik und Theaterwissenschaft in Berlin führten ihn Engagements u. a. nach Stuttgart, Salzburg, Bremerhaven, St. Gallen, Regensburg, Ingolstadt, Linz. Eine besondere Begabung hat er für Romandramatisierungen: neben Grass’ „Ein weites Feld“ u. a. Frischs „Homo Faber“, Kafkas „Der Prozess“, Tucholskys „Schloss Gripsholm“ und mit „Kohlhaas 21“ eine moderne, auf die politischen Verhältnisse in Stuttgart gemünzte Adaption von Kleists Novelle. Die Konzertdirektion Landgraf zeigte auch Kamms Bühnenfassung von Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“ in der Inszenierung der Schauspielbühnen Stuttgart. Seine gelungene, moderne Inszenierung von Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ war auch beim Tournee-Theater Thespiskarren im Spielplan.

Günter Grass’ Blechtrommel als bildgewaltige Familienfahrt durch die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert
Für Jubel hat das Schauspiel (…) beim Publikum (…) gesorgt. (…) Volkmar Kamm [ließ] texttreu und bis ins Detail die locker zusammenhängenden Episoden (…) als üppig-barocken Bilderreigen abspulen (…). Es war eine Meisterleistung, die 19 Rollen auf neun Schauspieler zu verteilen und ein theatraler Geniestreich, eine Drehbühne für die rasanten Szenenwechsel zu nutzen. (…)
Raphael Grosch gibt auf Knien (…) den großen Verweigerer. Ein wissendes Kind und ein unwissender Erwachsener. (…) Das klasse aufgelegte Ensemble war freudig überrascht vom nicht enden wollenden, beinahe frenetischen Applaus.
Jana Schindler, Allgäuer Zeitung, 19.12.2015.