Die Nashörner - Württembergische Landesbühne Esslingen
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Information zur Veranstaltung

Von Eugéne Ionesco. Württembergische Landesbühne Esslingen.

Einführungsvortrag um 19 Uhr

Stellen Sie sich vor, Sie, männlich, Mitte dreißig, Behringer mit Namen, haben mal wieder zu tief ins Glas geschaut. Nun sitzen Sie mit Ihrem Freund Hans im Café, er macht Ihnen Vorhaltungen, als urplötzlich ein Rhinozeros über den Kirchplatz trottet. Alles ist verwundert und aufgeregt, doch Sie bleiben skeptisch. Schließlich haben Sie auch schon rosa Elefanten gesehen. Doch bald galoppiert das nächste Nashorn über den Platz, und am nächsten Tag sind die Dickhäuter Stadtgespräch – auch im Büro, wo Sie arbeiten. Kollege Stech bemüht die Metaphysik zur Erklärung des Phänomens, Kollege Wisser – ein Skeptiker – hält das Ganze für Schwindel. Da eilt Kollegin Ochs herein, sie werde von einem Nashorn verfolgt, das prompt die Büroräume erstürmt und die Treppe zerlegt. Wenig später werden Sie Zeuge, wie Hans zum Nashorn wird, und unversehens wird die „Rhinozeritis“ zum Massenphänomen. Am Ende des dritten Aktes sind Sie das einzige Nicht-Nashorn in der Stadt… Behringer ist der einzige in diesem Stück, der sich nicht um sich selbst dreht, der einzige, der bei allem Zweifel die Menschen wirklich liebt.

Alle anderen Figuren werden zu Nashörnern – sprich: Mitläufern – teils um ihre Zweifel zu beruhigen, um einen Daseinssinn zu finden, um sich selbst eine Bedeutung zu geben. Oder ganz einfach um sich nicht gegen die Mehrheit zu stellen. Ionesco schrieb das Stück 1958, als in Frankreich durch den Algerienkrieg eine Welle von Hurrah-Patriotismus ausbrach. Seine Kritik am Mitläufertum war derart bissig, dass die Premiere in Düsseldorf stattfinden musste. Bei uns sah man in „Die Nashörner“ eine Verspottung der Nazi-Mitläufer. Heute hingegen kommt diesem modernen Klassiker – leider – eine ganz neue und aktuelle Bedeutung zu …