Bild: Fearless Speech
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Information zur Veranstaltung

Wie kaum ein*e andere*r Denker*in von 1968 hat der französische Philosoph Michel Foucault neue Themen angeregt und durchdacht. In all seinen Studien zu Diskurs, Wissen und Macht, Subjektivierung und Identität, zum Wahrheitsregime, zur Psychiatrie, zur Überwachung oder Sexualität ging es immer um Formen der Emanzipation. Das HAU Hebbel am Ufer möchte der Spur, die Foucault mit seinen Forschungen gelegt hat, mehr als dreißig Jahre nach dessen Tod nachgehen und sie für die Gegenwart befragen. Der modernen “Ordnung der Dinge und der Wörter” eine andere Ordnung entgegenzusetzen, die historischen Grenzen der Vernunft und der Wahrheitsregimes offenzulegen, bedeutet auch, gegen die Dichte der Vergesellschaftung, die Dichte der Kontrolle, der Vorschriften, der Verschulung und der Regulierungen, Einspruch zu erheben.

“Nicht auf diese Weise und um diesen Preis regiert zu werden” und das Gewimmel der unterdrückten Wissensarten, die Dissidenz und die Verhaltensrevolten denkbar zu machen – dazu soll­ten nach Foucault auch die Bildende Kunst, der Film, die Musik, die Literatur und das Theater beitragen.

Die interdisziplinäre Veranstaltungsreihe “Fearless Speech” wird in der Nachfolge der Serie “Phantasma und Politik” den Spielbetrieb des HAU Hebbel am Ufer diskursiv begleiten und Fragen nach dem Kritischen in der Kunst im Anschluss an Foucault nachgehen. In einer Pilotveranstaltung wird der politische Theoretiker Alex Demirović eine Keynote zu Foucaults Plädoyer für “aktive Intoleranz” zur Diskussion stellen. Als Gäste der kommenden Ausgaben sind Marina Naprushkina, Paul B. Preciado, Achille Mbembe, Rossella Biscotti, Juliane ­Rebentisch, Loïc Wacquant, Manuela Bojadžijev, Died­rich Diederichsen, Mark Terkessidis, Ruth Sonderegger, Rober­to Nigro, Tom Holert und andere eingeladen.

Nicht nur die Funktion der Künste im Sinne des Wahr-Sprechens (parrhesia), sondern auch der militante Intellektuelle Foucault werden im Zentrum der Reihe stehen. Foucault engagierte sich entschieden gegen Gefängnisse, gegen den justiziellen Apparat, die psychiatrischen Gutachten, die administrative Konstruktion von Identitäten, die Erzeugung von Gehorsam in Schulen oder Fabriken, die militärische Produktivität des Tötens oder die Sexualisierung der Individuen. Seinen Analysen der “Mikrophysik der Macht” und der ‘Produktion’ von Menschen und der Seele soll aus einer queerfeministischen Sichtweise, aber auch mit Fragestellungen der Subaltern Studies nachgegangen werden.

Nicht nur politische und ethische Praktiken von gegenwärtigen Künstler*innen, die einen Raum der Möglichkeiten erschließen wollen, stehen im Vordergrund, sondern auch Fragen nach der Form der Kunst, die mit jeder anderen bricht. Für Foucault ist die moderne Kunst, die den Skandal nicht scheut, die intensivste Form des Wahr-Sprechens, das sich nicht an bestehenden Machtverhältnissen, sondern an der Sorge um sich und die anderen orientiert.