Bild: John Hodian & The Naghash Ensemble
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Information zur Veranstaltung

»Songs of Exile. Vol. 2«
Mittelalterliche armenische Musik. Neu erschaffen für das 21. Jahrhundert.
JOHN HODIAN & THE NAGHASH ENSEMBLE | Armenien

JOHN HODIAN Klavier
EMMANUEL HOVHANNISYAN Duduk
ARAM NIKOGHOSYAN Oud
TIGRAN HOVHANNISYAN Dhol

HASMIK BAGHDASARYAN Sopran
TATEW MOVSESYAN Sopran
ARPI PETROSYAN Alt

Im Mai 2015 kam es zur Aufführung des 1. Teils dieser als Trilogie geplanten Kompositionen - und keiner, der damals im Publikum dabei war, wird diesen Konzertabend vergessen haben. Zweifellos war dies einer der Höhepunkt in der nunmehr 12jährigen Geschichte dieser Konzertreihe.
Während der gesamten Darbietung schien das Publikum geschlossen den Atem anzuhalten - so ergreifend und zu Herzen gehend schön waren die Kompositionen und ihre Darbeitung durch dieses Ensmeble.

Drei der besten armenischen Sängerinnen und drei herausragende Instrumentalisten auf Duduk, Oud und Dhol erschufen nebst dem Komponisten & Pianisten John Hodian eine die Jahrhunderte verbindende Musik; symbiotisch wirkende Klänge zwischen Folk und Klassik, zwischen Gestern und Heute, zwischen armenischer Tradition und zeitgenössischer Ästhetik, deren Zauber sich keiner entziehen konnte. Musik, die ganz tief aus der Seele des armenischen Volkes zu stammen schien, zeitlos und ewig.

„In dieser berührenden Lied-Sammlung begegnen sich Osten und Westen, Mittelalter und Moderne. Die Stücke sind hoch komplex und doch zugänglich.“ | NPR

„Komponist John Hodian erweckt die Gedichte des armenischen Priesters und Dichters Mkrtich Naghash aus dem 15. Jahrhundert zu neuem Leben. Die Stücke sind unverkennbar armenisch und zugleich wie nicht von dieser Welt.“ | Armenisch-Deutsche Korrespondenz

„Eine Musik, von der man kaum sagen kann, ob sie alt oder neu klingt, fremd oder vertraut, westlich oder östlich, schlicht oder komplex, minimalistisch oder mittelalterlich. Eine Musik jedenfalls, die sich jeder Etikettierung entzieht.“ | BR Klassik


Entstanden sind die Lieder zu Texten des Dichters und Priesters Mkrtich Naghash aus dem Armenien des 15. Jahrhundert. Seine Gedichte sind eine ergreifende Meditation über die Beziehung des Menschen zu Gott und zueinander - geschrieben aus der Perspektive eines Menschen, der viele Jahre gezwungen war, sein Leben fern der Heimat im Exil zu verbringen.

„Seele, sage nicht Fremder, sonst blutet das Herz mir.
Fremder in einem fremden Land, ich weiß, das ist sehr schwer.
Wie ein Vogel getrennt von seinem Schwarm irrt und nirgends ruht,
Solange fliegt und sucht, bis er sein Ziel erreicht.“ | Mkrtich Naghash

In den vergangen 18 Monaten entstand in Armenien der 2. Teil der Trilogie, den das armenische Spitzenensemble nun auch bei einigen wenigen Konzerten an speziell ausgesuchten Orten in Deutschland zu Aufführung bringen wird.

MUSIK ZWISCHEN DEN WELTEN ist stolz darauf, dieses Ensemble zum zweiten Mal in Dresden begrüßen und präsentieren zu dürfen.

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Wie alles begann ...
Komponist John Hodian erzählt:

„Die Idee zum Naghash Ensemble entstand, als ich im Tempel von Garni außerhalb Jerewans das Luys Vokal Quintett hörte: mittelalterliche geistliche armenische Musik. Diese wunderbaren Stimmen im Zusammenspiel mit der erstaunlichen Akustik von Garni haben in mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. Ich war entschlossen, etwas zu komponieren, das diesen Klang auf neue Weise nutzen würde.

Es dauerte Jahre, bis ich den richtigen Text fand.
Monatelang suchte ich in den Bibliotheken Jerewans, New Yorks und Berlins. Als ich schließlich ein kleines Fragment des spätmittelalterlichen armenischen Dichters Mkrtich Naghash entdeckte, da sprangen mir seine Worte entgegen, direkt in meine Seele, und ich wusste, dass ich gefunden hatte, wonach ich suchte.
In Jerewan fand ich 17 seiner Gedichte, die ich alle vertonen wollte. Seine Worte waren zwar philosophisch, aber sie waren an die einfachen Leute in Naghashs Zeit gerichtet - und ich finde sie heute noch genauso relevant wie zu ihrer Entstehung im 15. Jahrhundert.

Ich ließ die Texte bestimmen, wie die Musik beschaffen sein sollte, und wählte die Instrumente intuitiv. Der irdene Klang der armenischen Volksinstrumente Dhol, Duduk und Oud prägte dabei meine Komposition.

Die Schriften von Naghash sind tief spirituell, aber zugleich auch schlicht und ergreifend poetisch.
Mein besonderes Interesse fanden die Texte, die von den Notlagen des „Gharib“, eines Exilierten oder Wanderers handeln, von einem Menschen ohne Heimat.
Ich selbst bin armenischer Abstammung, in den USA aufgewachsen und lebe abwechselnd in Jerewan, Berlin und New York. Den traurigen Zustand des Gharib kann ich – wie wohl die meisten Armenier – sehr gut nachvollziehen. Als Nachkomme von Überlebenden des Völkermords an den Armeniern 1915 sind mir jene Geschichten gut bekannt, in denen die Entscheidung, wohin man lief und wem man vertraute, in Sekundenbruchteilen darüber bestimmte, ob man die unaussprechliche Tragödie überlebte – oder nicht.

2010 gründete ich das Naghash Ensemble. Premiere dieser Kompositionen war 2012 im Komitas-Kammermusiksaal Jerewan.

Ich bin skeptisch gegenüber Kategorisierungen und bin um Worte verlegen, wie diese Musik zu beschreiben sei. Folk oder Klassik? Ethnisch oder kosmopolitisch? Alt oder modern?
Für mich ist dies das natürliche Werk eines Menschen, der als Kind mit armenischer Musik aufgewachsen ist, der europäische Klassik studiert hat und später eingetaucht ist in die zeitgenössische Musik verschiedenster Völker und Kulturen.“