Bild: Julius Caesar - Theater Marburg
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Information zur Veranstaltung

Große Veränderungen der Staatsstruktur und der Machtverteilung stehen buchstäblich im Zentrum von Shakespeares 1599 entstandener Tragödie. Der politische Mord an Julius Caesar und die Leichenreden auf ihn sind Katastrophe und Wendepunkt. Die demagogische Rhetorik des Stücks wirft zugleich auch Fragen zur heutigen Krise westlicher Demokratien auf: zum Beispiel danach, ob konflikthafte Wert- und Ordnungsvorstellungen mit oder ohne Gewalt durchgesetzt werden können.
Caesars Stellung in Rom ist umstritten. Das Volk ist dem erfolgreichen Feldherrn zugeneigt und erfreut sich an seinen Triumphen. Er selbst gefällt sich in großzügiger Ablehnung der Königskrone. Wenngleich er sich offiziell nur mit Titeln der Republik schmückt, regiert Caesar de facto als Alleinherrscher. Die Eliten der alten Ordnung fürchten um ihre eigene Stellung. Um Cassius bildet sich eine Verschwörergruppe mit dem Plan, Caesar zu beseitigen. Doch man braucht Verbündete, um das Volk für sich zu gewinnen. Den angesehenen Brutus überzeugt Cassius davon, dass Caesars Alleinherrschaft beendet werden kann, sobald man den Mut dazu findet: Nicht durch die Schuld der Sterne, lieber Brutus / Durch eigne Schuld nur sind wir Schwächlinge. Caesar, stolz und starrsinnig, schlägt alle Warnungen in den Wind, begibt sich an den Iden des März in den Senat und fällt unter den Dolchen der Verschwörer. Die beginnen daraufhin, Fehler zu machen. Caesars junger Freund Marcus Antonius wird verschont und erhält die Erlaubnis, zum Volk zu sprechen, das sich vor dem Kapitol versammelt hat. Seine Rede gilt nicht nur als Höhepunkt des Stücks, sondern als das in der Weltliteratur beispiellose Meisterstück demagogischer Rhetorik mit allen Tricks und Rezepten der Massenverführung, so virtuos gehandhabt, dass man unter Schaudern hingerissen ist (Georg Hensel). Ein Bürgerkrieg ist die Folge. Es wird rebelliert, gebrandschatzt und gemordet. Brutus und Cassius fliehen aus Rom und unterliegen in der Entscheidungsschlacht in Makedonien schließlich Marcus Antonius und seinem Verbündeten Octavian, dem späteren Kaiser Augustus.
Das Auseinanderfallen der Freundschaft zwischen Cassius und Brutus verläuft parallel zum Misslingen ihres politischen Plans. Jede Zeit hat ihre Machtstrukturen und ihre Repräsentanten, die sich für diese Strukturen einsetzten. Politik ist Menschenwerk und daher veränderbar. Reinheit gibt es in der Welt der Ideen und nicht im Handeln, dann jedenfalls nicht, wenn es um Fragen der Macht geht.