Konrad Beikircher - 500 Jahre falscher Glauben Tickets - Steinfurt, Martin-Luther-Haus

Event-Datum
Sonntag, den 18. November 2018
Beginn: 18:00 Uhr
Event-Ort
Wettringer Strasse 25,
48565 Steinfurt
Sonstige Ticket-Info
Veranstalter: Lampenfieber live GmbH (Kontakt)

Begleiter von Rollstuhlfahrern haben freien Eintritt.
Ticketpreise
ab 25,40 EUR
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Bild: Konrad Beikircher
Konrad Beikircher
„500 Jahre falscher Glauben“




Manchmal ist es schon kurios, wie ein Programm entsteht und passt doch genau in die Klischees: wir
Kleinkünstler, Nachkommen der Hofnarren und des fahrenden Volks, wie Hüsch immer sagte, gelten
ja heutzutage als die Welterklärer schlechthin. Wir wissen alles und können alles unterhaltsam jedem
beibringen. Ich glaube aber eher, dass das so ist: wir wissen nix, können aber alles erklären. Wie dem
auch sei: ich habe nie im Traum daran gedacht, dass ich mal was über Martin Luther was erzählen
würde, meine Domänen sind ja klassische Musik, canzoni italiane, Literatur, Sprache und Dialekte, da
„geht das Telefon“ (wie man im Rheinland sagt, was immerhin besser ist als in den Niederlanden, wo
es „opbellt“) und es kommt von einem Geistlichen die Frage, ob „Der Beikircher“ nicht zehn Minuten,
halbes Stündchen was zum 5oo. Jahrestag des Thesenanschlags in Wittenberg machen könnte.
Aha. Also Martin Luther. Für einen, der katholisch aufgewachsen ist, in Südtirol, wo man Luther eher
für ein Bier hält („Luther – das Bier mit Bäffchen“ und „Protestier mit Luther Bier!“), eine
ungewöhnliche Anfrage. Aber reizvoll. Also sage ich zu und knie mich hinein. Und weil ich so ein
Renaissance-Freak bin, und weil ich so ein Geschichten-Über-Päpste-Fan bin und weil ich mir dachte,
wenn einer Augustiner-Mönch war, wird er schon kein schlechter Kerl gewesen sein und weil es mir
immer schon Spaß gemacht hat, ein bisschen über ‚Protestanten’ zu frozzeln, ich meine: die haben ja
auch die Marotte erfunden, abends nur kalt zu essen, was jedem, der italienisches Feeling lebt, ein
Gräuel ist, ‚Abendbrot’, ph!, wie kann man ein eh schon genuß-feindliches Wort auch noch wörtlich
nehmen!?, weil das alles so ist, habe ich 5o Kilo Luther-Bücher gekauft, natürlich nur das Neueste, mir
seine Tischgespräche neben den Teller gelegt (ich esse nämlich auch abends gerne warm!!!) und ab
ging die Reise in den evangelischen Urknall. Und was hat das für einen Spaß gemacht! Gleichzeitig
aber kam immer mehr der Gedanke hoch, dass es langweilig wäre, nur zu frozzeln und dass ich bei
diesem Thema schon auch wirklich Position beziehen muss. Also stand ich da und kam nicht
drumherum, beide Seiten mit dem Weihwasserschwengel und mit der Narrenklatsche zu bedenken
und das hat nicht nur Spaß gemacht, sondern mir auch die Befriedigung gegeben, dass ich mich mit
meinen Überlegungen zu Luther und 5oo Jahren falscher Glauben nicht zu verstecken brauche. Ich
finde: ein Himmel, in dem man nicht lachen darf, wäre nix für mich. Und weil ich gläubig bin und weil
ich heiter bin, lasse ich mir den Glauben an einen souveränen, humorvollen Herrgott nicht nehmen.
Oder, wie mein Papa immer sagte: „Gott wäre ein armes Herrgöttle, wenn er zwischen Katholiken und
Protestanten unterscheiden würde!“.
Oder, wie es im Barock auf jedem zweiten Grabstein stand:
„Ich bin, ich weiß nicht, wer,
Ich komm, weiß nicht, woher,
ich geh, weiß nicht, wohin,
mich wundert, dass ich so fröhlich bin“

Ich wünsch´ viel Spaß!