Es ist alles da: Die technische Fertigkeit, das Timing, der Groove, die Intensität. Vor allem aber ist da das feine Gehör und Gespür für die Mitmusiker. Und für all jene musikalischen Ahnen, die wie Geister zwar nicht auf der Bühne zu sehen, aber dennoch anwesend sind. Mit anderen Worten: Nikolas Anadolis ist ein noch junger, aber aufsehenerregender Pianist, der alle möglichen Traditionen des Jazz kennt und verinnerlicht hat. Sein Spiel hat die lässige Beiläufigkeit eines Bill Evans und den Swing eines Oscar Petersen, aber es weiß auch um die klassische Klavierliteratur.

Anadolis live zu erleben – und bei Enjoy Jazz war dazu schon zwei Mal Gelegenheit – heißt auch, eine Zeitreise zu machen, zu schwelgen, sich einem Rausch zu überlassen. Anadolis hat keine Scheu vor der Schönheit des Eklektizismus. Bereits im Alter von vier Jahren hat der 1991 in Thessaloniki geborene Nikolas sich ans Klavier gesetzt, und wenn man ihn heute hört, ahnt man, dass er dem Instrument seither mit größter Unbedingtheit verhaftet geblieben ist. Renommierte Preise hat er gewonnen; auf vielen Festivals konnte man ihn erleben.