Nobelpreisträger in Mönchengladbach - Ein Abend mit Herta Müller Tickets - Mönchengladbach, Kaiser Friedrich Halle

Event-Datum
Mittwoch, den 27. Januar 2021
Beginn: 20:00 Uhr
Event-Ort
Hohenzollernstraße 15,
41061 Mönchengladbach
Sonstige Ticket-Info
Veranstalter: Initiativkreis Mönchengladbach c/o MGMG (Kontakt)

Personen unter 18 Jahren, Schüler, Studenten, Auszubildende, Wehr- und Zivildienstleistende, Schwerbehinderte sowie je eine Begleitperson für Personen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind, erhalten Karten zum ermäßigten Preis.
Rollstuhlfahrer melden sich bitte beim Veranstalter unter 02161.25 52420
Ticketpreise
von 16,40 EUR bis 38,40 EUR und Ermäßigungen *
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Bild: Nobelpreisträger in Mönchengladbach
Literatur-Nobelpreisträgerin Herta
Müller zu Gast in Mönchengladbach
Um die rettende Macht der Worte und Rituale in ausweglos
scheinenden Situationen geht es im Werk der Rumänin, die
seit über 30 Jahren in Deutschland lebt. Sie liest am 19. Mai
2020 in der Kaiser-Friedrich-Halle aus ihren Werken.
Pressemitteilung vom 29. November 2019
„Landschaften der Heimatlosigkeit“ nannte die Nobelpreis-Jury Herta
Müllers Romane. Vor zehn Jahren erhielt sie die weltweit höchste Auszeichnung für Autoren. Herta Müller gehört zu den großen Schriftstellern
des 20. Jahrhunderts. In ihren Büchern hat sie die jüngere rumänischdeutsche Geschichte lebendig werden lassen und die Verwundungen
gezeigt, die den Menschen unter der Diktatur des Ceausescu-Regimes
zugefügt wurden. Auf Einladung des Initiativkreises kommt die Autorin
am 19. Mai 2020 nach Mönchengladbach. Um 20 Uhr wird sie in der Reihe „Nobelpreisträger in Mönchengladbach“ in der Kaiser-Friedrich-Halle
einen Einblick in ihr Werk geben.
Müller hat ihr ganzes Leben lang gegen die grausamen, menschenverachtenden Seiten des Kommunismus angeschrieben. Wer ihre Bücher liest,
sieht nicht nur das Ceausescu-Regime, sondern jeden Überwachungsstaat mit anderen Augen. Geboren wurde Herta Müller 1953 im rumänischen Banat. Aufgrund ihrer Weigerung mit der Geheimpolizei Securitate
zusammenzuarbeiten, verlor sie ihre Arbeit. Als sie die Diktatur in ihren
ersten Büchern öffentlich kritisierte, kam ein Publikationsverbot dazu. Sie
wurde bespitzelt, bedroht und verhört. 1987 reiste sie nach West-Berlin
aus. Seit 1995 ist Müller Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache
und Dichtung.
Herta Müllers Bücher handeln immer auch von Misstrauen, Einsamkeit
und der rettenden Macht der Worte und kleinen Rituale. Eines davon ist
das Taschentuch, das ihre Mutter ihr jeden Morgen mit auf den Weg gab.
Es half ihr, als sie in ihrer Heimat von den Schergen Ceausescus schikaniert
wurde – als gebügeltes, gefaltetes Symbol für mütterliche Geborgenheit.
Man nahm ihr in ihrem Beruf als Übersetzerin den Schreibtisch weg. Da
setzte sie sich draußen auf einer Treppe auf ein weißes Taschentuch. Es
gab ihr in dieser demütigenden Situation die Würde zurück.
„Ich hatte zehn Jahre Zeit zu üben, wie es sich lebt, wenn der eigene Tod
vielleicht schon längst als staatliche Maßnahme auf ein Stück Papier geschrieben ist“, sagt Herta Müller. Sie hat Unterdrückung, Qualen und Todesandrohungen erlebt. Davon legen ihre Bücher, Aufsätze und Reden
Zeugnis ab. Für ihr literarisches Werk bekam sie zahlreiche Ehrungen.
Doch all das kann nie wiedergutmachen, was sie und mit ihr viele andere unter Ceausescu erlebt haben. Wie diese Autorin darauf beharrt, dass
sich manche Geschehnisse eben nicht literarisch verarbeiten lassen - das
macht ihr Werk und sie selbst als Person so glaubwürdig. „Ihre poetische
Sprache ist mit Todesangst erkauft“, formulierte es der Politikwissenschaftler Günther Rüther. Müllers Wörterwelt ist bildreich und spröde,
schön und hart zugleich.
Am 19. Mai wird sie einen Einblick in zwei ihrer Werke geben. In „Mein Vaterland war ein Apfelkern“ erzählt Müller im Gespräch mit der Journalistin
Angelika Klammer ihre Lebensgeschichte. In „Atemschaukel“ schreibt sie
über den jungen Hermannstädter Leopold Auberger, der 1945 mit 17 Jahren in ein sowjetisches Arbeitslager deportiert wurde, über Hunger, Kälte
und Einsamkeit. Mit diesem erschütternden Hauptwerk hat Herta Müller
all denen ein Denkmal gesetzt, die als Zwangsarbeiter in sowjetischen Lagern für die Verbrechen der Nationalsozialisten büßen sollten. „Ein atemberaubendes Meisterwerk“, schrieb die ZEIT. „Ein kühnes Sprachkunstwerk, das seinesgleichen sucht“, befand die Süddeutsche Zeitung.