Private Song Tickets - Dresden, Hellerau

Event-Datum
Freitag, den 03. Mai 2019
Beginn: 20:00 Uhr
Event-Ort
Karl-Liebknecht-Straße 56,
01109 Dresden
Sonstige Ticket-Info
Veranstalter: HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste (Kontakt)

Geben Sie die Nr. der HELLERAU-Card in das Feld "Aktionscode" ein.
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Ermäßigungen
Ermäßigte Preise gelten fuer Kinder, Schueler*innen, Studierende, Auszubildende, Freiwillige im Sozialen Jahr, im Bundesfreiwilligendienst bzw. freiwilligen Wehrdienst, Arbeitslose und Empfänger*innen von Leistungen nach SGBII und XII, Inhaber/-innen des Dresden-Passes,
Ehrenamtspass-Inhaber, Menschen, die zum anspruchsberechtigten Personenkreis gemäߧ1 Asylbewerberleistungsgesetz gehören, sowie...(Mehr Info)
Ticketpreise
ab 17,00 EUR und Ermäßigungen
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Bild: Erbstücke Festival
Fr 03.05. 20 Uhr Großer Saal
Eintritt: 17 I 8€

Private Song
Alexandra Bachzetsis (GR)
Für Alexandra Bachzetsis sind die neuen Kommunikationssysteme, die unsere moderne Kultur prägen – Popmusik, Massenmedien, Internet –, die wahren Ursprungsorte des zeitgenössischen Tanzes. Tanz ist für sie die Schnittmenge unterschiedlicher Disziplinen, das Ergebnis sich vielfältig kreuzender Repräsentationssysteme: Malerei, Zeichnung, Architektur, Fotografie, Literatur, Kino, Fernsehen, Videoclips, Werbung, Mode, Pornografie, YouTube-Tutorials. Dabei dokumentiert sie alle Formen der zeitgenössischen Verkörperung, von Fitnessübungen bis zu Rembetiko, und schafft so ein lebendes Archiv sozialer Partituren.

Am Beginn von Bachzetsis’ choreografischer Arbeit im Jahr 2001 stand Perfect, Kollaborationen mit zahlreichen Künstler_innen an mehr als 25 Stücken sollten folgen, darunter Gold (2004), Show Dance (2004), Undressed (2005), DreamSeason (2008), Étude (2012) und From A to B via C (2014). In PRIVATE: Wear a mask when you talk to me (2016), einem aktuelleren Soloprojekt, führt Bachzetsis Körperstellungen aus Yoga, Pornofilmen, Fußball und anderen Bereichen zusammen und protokolliert, mittels ritualistischer Wiederholung von Gesten, die Entstehung von sozialem Geschlecht und Begehren unter neoliberalen Bedingungen.

Für die Künstlerin sind Fred Astaire, Bob Dylan, Michelangelo Antonioni, Alejandro Jodorowsky und Michael Jackson ebenso bedeutend wie Trisha Brown – oder Lina Bo Bardi. Ihr Werk beschäftigt sich mit der Geschichte der Bildproduktion und ihren Kreuzungen und Überschneidungen, von der Flächigkeit vorperspektivischer und mittelalterlicher Darstellungen bis zu den Ausdrucksformen zeitgenössischer Kunst, einschließlich Grafikdesign und digitaler Medien. Dabei bricht sie radikal mit traditionellen Beschreibungen von Raum, Bewegung, Körper und Subjektivität. Bachzetsis führt die Bilder unserer Massenkultur auf abstrakte Modelle des Sehens und Bewegens zurück – kodifiziert nach Geschlecht, Rasse, Klasse, Alter oder körperlicher Einschränkung –, die dem Handeln des Körpers Grenzen setzen und Subjektivität normalisieren.

Die Künstlerin, 1974 in der Schweiz als Tochter einer Schweizer Mutter und eines griechischen Vaters geboren, erklärt nicht Herkunft und Identität, sondern Entwurzelung zu einem politischen und ästhetischen Schauplatz: „Weder Orte noch Sprachen vermittelten mir ein Gefühl der Zugehörigkeit. Also wollte ich mir ein solches erschaffen, einen Raum, in dem ich existieren konnte.“ Bachzetsis konfrontiert uns mit der Frage, wie in einem reglementierten System der Sichtbarkeit Handlungsfähigkeit erzeugt, wie die erotische, affektive und mikropolitische Macht der Geste zurückerobert werden kann. Die formale Differenziertheit ihrer Arbeit, der zufällige Fluss von Kodierungen in der und gegen die unausgesprochene Partitur des Normativen, verströmen eine reine, unerwartete Schönheit. Aus jedem verzerrten Bild oder Muster, zusammengesetzt aus scheinbar vorgegebenen Anordnungen körperlicher Interaktionen, spricht die Möglichkeit unbegrenzter Improvisation und Auflehnung im Rahmen bestehender Ordnungen.

Konzept und Choreografie: Alexandra Bachzetsis; Performance- und Bewegungsrecherche: Alexandra Bachzetsis, Thibault Lac, Sotiris Vasiliou
Beratung: Paul B. Preciado; Dramaturgie: Tom Engels; Recherche-Mitarbeit zur Rembetiko-Kultur: Alkistis Poulopoulou, Sotiris Vasiliou
Musik: Tobias Koch; Aufgenommene Musiker: Avgerini Gatsi, Kostas Kostakis, Fotis Vergopoulos, Giannis Zarias; Stimmtraining und Coaching: Theodora Baka; Kommunikationsdesign: Julia Born; Redaktionelle Koordination Private Song Book: Henriette Gallus; Griechische Redaktion Private
Song Book: Sotiris Vasiliou
Fotografie: Otobong Nkanga und Nikolas Giakoumakis; Kostüm:

Cosima Gadient in Zusammenarbeit mit Yonatan Zohar; Lichtdesign und Technik: Patrik Rimann
Bühnenbild und Produktionsassistent: Peter Baur
Produktion: Production All Exclusive
Produktionsleitung: Anna Geering

Im Auftrag der documenta 14

Unterstuützt durch: Schering Stiftung und Stichting Ammodo; einer kooperativen Finanzierungsvereinbarung zwischen der

Stadt Zuürich, dem Kanton Basel-Landschaft, dem Kanton Basel-Stadt und Pro Helvetia–Schweizer

Kulturstiftung

Koproduktion: Volksbuühne Berlin, Frans Hals Museum | De Hallen Haarlem

Dank an: Adam Szymczyk, Paul B. Preciado, Hendrik Folkerts, Christoph Platz, Shannon Jackson,

Mia Born, Oleg Houbrechts, Otobong Nkanga, Daphni Antoniou, Kelly Tsipni-Kolaza, Lenio Kaklea, Evangelia Karakatsani, Verena Bachzetsis, Jannis Tsingaris, Sakis Bachzetsis
Bild: Festspielhaus Hellerau Dresden

Hellerau steht in mehrfacher Hinsicht als Synonym für Moderne im 20. Jahrhundert, nicht nur bezogen auf die Künste. Der »Mythos« schien zwischenzeitlich indes gefährdet, dem Vergessen anheim zu fallen. Die »Lebensreformgedanken« des ausgehenden 19. Jahrhunderts führten 1909 zur Gründung der Werkstätten und der ersten deutsche Gartenstadt. Das zwei Jahre später erbaute Festspielhaus war für Émile Jaques-Dalcrozes Tanzausbildung völlig anders konzipiert als je ein Theaterbau zuvor. Nach kurzer Blütezeit und langer Ruhepause setzte ab Mitte der 1990er Jahre eine künstlerische Belebung in Hellerau ein.