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Information zur Veranstaltung

Vortrag Gesundheit, Stadt und Krankenhaus vor 90 Jahren von  Prof. Dr. Philipp Osten

Prof. Dr. Philipp Osten: "Das Krankenhaus Singen ist ein Denkmal für den medizinischen Aufbruch."

Das Krankenhaus Singen ist beispielhaft für einen Trend, der in den 1920er und frühen 1930er Jahren bemerkenswerte Verbesserungen urbaner Gesundheitsverhältnisse bewirkte: Ausgerechnet in der von Wirtschaftskrise, Inflation und Arbeitslosigkeit gebeutelten Weimarer Republik entstand ein System sozialer Sicherheit, das zu einer erheblichen Steigerung der Lebenserwartung führte. Krankheiten, an denen kurz zuvor noch ein Drittel aller Erstklässler in den Industriestädten gelitten hatten, verschwanden aus den Sterberegistern. Die Zahl der Betten in Geburtskliniken verzehnfachte sich kurz nach dem Ersten Weltkrieg, und viele Errungenschaften der modernen Medizin, die als Wissen in den Lehrbüchern der Kaiserzeit festgehalten worden waren, kamen nun auch tatsächlich Kranken aus allen gesellschaftlichen Schichten zu Gute.

"Das Krankenhaus Singen ist ein gebautes Denkmal für diesen Aufbruch", sagt Philipp Osten. Der Vortrag beginnt mit einem Rückblick auf die Strategien zur Verbesserung städtischer Gesundheit seit der Jahrhundertwende und endet mit einem Ausblick auf die bitteren Zäsuren des Jahres 1933. Er ist ein Beitrag zum Jubiläumsjahr "90 Jahre Krankenhaus unterm Hohentwiel".

Prof. Dr. Philipp Osten leitet das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätskrankenhaus Hamburg Eppendorf und ist Direktor des Medizinhistorischen Museums Hamburg. Seine Bücher befassen sich unter anderem mit den Themen Medizin und Krieg ("Schlachtschrecken, Konventionen. Das Rote Kreuz und Erfindung der Menschlichkeit im Kriege", 2011), mit der Etablierung einer Gesundheitsfürsorge für Kinder mit Körperbehinderungen ("Die Modellanstalt", 2014), mit der Geschichte des Schlafs ("Ein Tor zur Seele", 2015) und mit dem Verhältnis von Medizin und Öffentlichkeit ("Das Vorprogramm", 2015).