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Information zur Veranstaltung

Das Stück „Kleine Stadt. Große Welt“ begeistert Schauspieler und Zuschauer

von Waltraud Wolf

Monatelang wurde geprobt, am 14.Juli 2016 feierte das Stück „Kleine Stadt. Große Welt“ in Riedlingen Premiere und begeisterte bei weiteren Vorstellungen Schauspieler und Publikum. So toll hatte es sich den Theaterspaziergang nicht vorgestellt. Nur Lob ist zu hören.
Nicht beeindrucken von den ablehnenden Worten „So viele können wir nicht aufnehmen“ ließen sich die Besucher, als sie die Stadt durchs Zwiefalter Tor betraten, schließlich gab es auch Willkommensworte für die Gäste. Fremdsein, Wegmüssen und Ankommen sind Befindlichkeiten, die sich durch das ganze Stück ziehen.
Eine wichtige Rolle in dem Stück von Peter Renz spielt der Drang nach Selbstbestimmung, den sollte der Truchsess Karl von Waldburg bei seinem Besuch in Riedlingen 1580 spüren. Doch als er droht, Köpfe rollen zu lassen, geben Bürgermeister und Ratsherren nach und ziehen mit den sich ihrem Schicksal ergebenden Bürgerinnen und Bürgern mit Lobgesang in die Kirche ein. Klaus Kehle als Truchsess spielt alle Facetten seiner Rolle aus, schmeichelnd, wütend, arrogant überlegen und mit viel Körpereinsatz. Als sein Gegenpart agiert Wilhelm Rohm als Amtsbürgermeister Bartholomäus Schölderle, doch auch er muss seinen Widerstand aufgeben, der unterstützt wird von den Bürgerinnen und Bürgern, die sich – als Teil des „Volkes“ - mitten unter das Publikum mischen.
Ob hier oder in den anderen Szenen, statt eines zugezogenen Vorhangs begegnet man überall eingefrorenen Standbildern der Schauspieler, ein tolles Mittel, auf Kommendes vorzubereiten oder parallel darzustellen.
Die drei Fremdenführerinnen Gisela O’Grady-Pfeiffer, Gudrun Vogel und Melanie Holzschuh begleiten die Zuschauer von Szene zu Szene, liefern den historischen Hintergrund und haben hier oder dort ein Schmankerl parat.
Auch mit Witz hat der Autor Peter Renz nicht gespart, was zum Beispiel in der Druckerei von Valentin Ulrich im Jahr 1718 deutlich wird, wenn die beiden Gesellen sich kabbeln. Immerhin können sie die Wandlung vom Bittsteller um das Bürgerrecht zum Zeitungsgründer von Ulrich (Anton Köberle) miterleben und das dank der Werbezettel, die er drucken darf und arme Oberschwaben in unbesiedeltes Land nach Ungarn führen sollen. Draußen vor der Tür stehen sie sich auch schon gegenüber, jene die im 18. Jahrhundert ihre Heimat der Armut wegen verlassen wollen und Menschen aus Syrien und Afghanistan, die im 21. – vor Terror und Krieg geflohen - gerade in Riedlingen angekommen sind. Flüchtlinge selber sind es, die hier agieren, eine beeindruckende Szene.
Aufbruch-Stimmung erleben die Menschen nach der Märzrevolution in Baden auch die Riedlinger im März 1848, allen voran Stadtrat Thadä Miller (Roland Uhl). Wieder regt sich Widerstand gegen die Obrigkeit, wieder sind es die Bürger und Bürgerinnen, die sich auflehnen und ihre Revolutionäre unterstützen und mit ihnen feiern, als sie glauben, sie hätten es geschafft. Doch da kommt der Schrei: „Sie haben den Miller verhaftet“. Das freilich wollen sich die Riedlinger nicht gefallen lassen, überwältigen den Oberamtsrichter und pressen ihn frei. Doch was feierlich mit dem Singen der Nationalhymne endet, hat Folgen. Die Fremdenführerinnen vermitteln es später: die Revolutionäre müssen ins Gefängnis.
Das Kriegsende 1945 zeigt die vierte Szene, genial als Filmdokumentation inszentiert auf der Mühlinsel, die nicht Halt macht vor den Kämpfen, die sich am jenseitigen Donauufer abspielen und so realistisch sind, dass sie während der Proben sogar einmal die Polizei auf den Plan riefen. Eine Frauencrew – allen voran Cora Wank als genervte Regisseurin - ist es, welche das Geschehen einfängt, auch jene mit dem antifaschistischen Comité um Bürgermeister Kilian Fischer (Peter Bucher), das eine kampflose Übergabe der Stadt an die Franzosen erreicht. In diesem Riedlingen erhalten Flüchtlinge aus Ungarn in der Eichenau eine neue Heimat, nachdem Bürgermeister Ludwig Walz  und seine Frau (Johannes und Andrea Traub) Johann Trautmann (Armin Bauschatz) aus Szarazd kennen gelernt hat.
Ein „Bilderbogen“ auf dem Wochenmarkt führt sie alle wieder zusammen,  die Zuschauer und die „Helden der Geschichte Riedlingens“, zu denen jeder der Akteure gezählt werden darf. Denn sie haben Großartiges geleistet.  An jedem Abend feierte das Publikum die Akteure mit begeistertem Beifall, der sich bei der Premiere noch um einige Dezibel steigerte, als sich die Regisseure Carola Schwelien und Peterhöfer, Autor Peter Renz, Kostümbildnerin Katharina Müller und Technik-Chef Ralf Wenzel verbeugten.
Riedlingen hat bewiesen: Es kann auch Theater!