Bild: Roscoe Mitchell Solo
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Information zur Veranstaltung

Als 1966 unter dem Titel „Sound" das erste Solo-Album des Saxophonisten Roscoe Mitchell herauskam, war damit zugleich ein Manifest der AACM-(Association for the Advancement of Creative Musicians)Ästhetik geschaffen: Stille und Pausen wurden plötzlich ebenso wichtig wie Töne und Klänge. Hier setzte jemand dem konventionellen Free Jazz-Ideal einer riskanten Kakophonie das Konzept eines penibel organisierten Klangraums entgegen. Melodische Themen tauchen darin eher zufällig auf, expressive Soli – oft Vehikel persönlicher Selbstentgrenzung – fehlen fast vollständig. Stattdessen erhalten einzelne Noten oder kürzelhafte Phrasen völlig neues Gewicht.

Mit dieser musikalischen Vision sollte die Chicagoer AACM die Vorherrschaft von New York im Jazz nachhaltig in Frage stellen. Während dort zeitgleich „New Thing"-Vertreter wie der Pianist Cecil Taylor oder der Saxophonist Archie Shepp den „Energie-Gedanken“ im Jazz stark machten und auf eine Art „kinetische Kraft" in ihren Improvisationen vertrauten, ging es den Chicagoer Musikern vor allem um Fragen einer homogenen Sound-Architektur. 1967 formierte Mitchell mit seinen Chicagoer Weggefährten Lester Bowie, Joseph Jarman und Malachi Favors das Roscoe Mitchell Art Ensemble, schon bald einfach Art Ensemble genannt, bevor die Gruppe 1969 endgültig zu ihrem Markennamen Art Ensemble of Chicago fand.

Das Kollektiv trat in afrikanischen Gewändern und mit Gesichtsbemalung auf und emanzipierte die sog. „little instruments" – kleine afrikanische Geräuscherzeuger – als vollwertige Musikinstrumente, um damit Perkussionsteppiche und Klangflächen zu schaffen. Neben seiner Mitwirkung im Art Ensemble of Chicago erprobte Mitchell in unzähligen Duo- und Solo-Einspielungen seine eruptiven Klangkaskaden, die sich – girlandengleich – zu immer neuen hypnotischen Mustern formen.