Saarower Klavierkonzerte Pianist: Christian Seibert, Frankfurt (Oder) - Von fremden Ländern und Menschen Tickets - Bad Saarow, Scharwenka Kulturforum

Event-Datum
Samstag, den 02. Dezember 2017
Beginn: 19:30 Uhr
Event-Ort
Moorstraße 3,
15526 Bad Saarow
Sonstige Ticket-Info
Veranstalter: Scharwenka Kulturforum e.V. (Kontakt)

Keine Ermäßigungen.

Rollstuhlfahrer melden sich bitte beim Einlass bei den Gästebetreuern.
Ticketpreise
ab 18,00 EUR
Weitersagen und mit Freunden teilen

Saarower Klavierkonzerte Pianist: Christian Seibert, Frankfurt (Oder) - Von fremden Ländern und Menschen

Bild: Saarower Klavierkonzerte                       Pianist: Christian Seibert, Frankfurt (Oder) - Von fremden Ländern und Menschen
„Von fremden Ländern und Menschen“
Eine musikalische Reise durch Argentinien, Frankreich, Italien, Norwegen, Polen und Deutschland

Frédéric Chopin: Ballade F-Dur Nr.2

Edvard Grieg: Ballade g-Moll op.24 (norw. Gebirgsmelodie)

Maurice Ravel: Scarbo (aus „Gaspard de la nuit“)

Astor Piazzolla: Adios Nonino, Tango Rhapsodie

Xaver Scharwenka: Phantasiestücke op. 50 Nr. 2 und 5

Franz Liszt: Venezia e Napoli, Gondoliera, Canzone Tarantella

Immer wieder hat die Kunst-Musik sich aus dem großen Bereich der Folklore eine Verjüngungskur gegönnt: etwa das beginnende 19. Jahrhundert, aber auch die Folkloristen nach 1900 entdeckten die ungezügelt sprudelnden Quellen der Volks-Kunst als Inspiration für ihr eigenes Schaffen. Und das gilt für die Musik ebenso wie auch in der Literatur, wo Volksmärchen und Sagen eine wichtige Rolle zu spielen begannen.
Frédéric Chopins zweite Ballade aus dem Jahr 1839 etwa geht auf ein Gedicht von Adam Mickiewicz zurück, das seinerseits von einer sagenhaften Begebenheit aus der polnischen Geschichte erzählt: um einfallenden russischen Horden zu entkommen, wurden junge Mädchen auf wundersame Weise in Wasserblumen verwandelt. Chopin ließ sich zum einen von dem dramatischen Geschehen zu einer kontrastreichen Komposition anregen; andererseits inspirierte ihn das Bild der zu Blüten gewordenen Frauen zu einer Melodie, die in volkstümlich schlichter, behutsam tänzerischer Weise die sich auf den Wellen wiegenden Blumen nachmalt.
Edvard Griegs gut 35 Jahre später entstandenes Variationswerk opus 24 trägt ebenfalls den Titel „Ballade“ – allerdings ohne zu beabsichtigen, damit ein weiteres „Lied ohne Worte“ anzustimmen, das ein dramatisches Volksmärchen erzählt. Vielmehr greift der Komponist eine norwegische Volksmelodie auf, die er in vierzehn Variationen spannungsreich und effektvoll ausgestaltet. Dieses Drama entwickelt sich auf der rein musikalischen Ebene – ohne es deshalb an Spannung oder Gehalt fehlen zu lassen.
Scarbo, der Titelheld des dritten Satzes aus Maurice Ravels Klavierzyklus „Gaspard de la nuit“, entspringt wieder einem literarischen Werk, nämlich der gleichnamigen Erzählung von Aloysius Bertrand. Stark am Vorbild E.T.A. Hoffmanns orientiert, schildert Bertrand mit „Scarbo“ einen „grotesken Zwerg, der um Mitternacht, wenn der Mond am goldenen Sternenhimmel wie ein Silbertaler glänzt, von der Zimmerdecke herunterpurzelt, herumwirbelt wie eine Hexenspindel, zur Riesengröße eines gotischen Kirchturms anwächst und schließlich gleich einer erlöschenden Wachskerze in sich zusammenfällt“. Ravels musikalische Darstellung dieses Koboldstreibens zeichnet das Verzerrte, Hektische und Getriebene mit einer solchen Fülle satztechnischer Kunstgriffe nach, dass „Scarbo“ bis heute zu den anspruchsvollsten Virtuosenstücken überhaupt zählt.
Astor Piazzollas Musik gibt sich da generell schlichter: Virtuosität im herkömmlichen Sinn spielt kaum eine Rolle – eine Atmosphäre düsterer Getriebenheit und mitunter erotisch knisternder Anspannung findet sich dagegen in fast allen seinen Werken. Dabei benutzt er den populären argentinischen Tango mehr als musikalische Form, deren bekannt dunkler Charakter das Gewand zur Einkleidung von Stimmungsbildern liefert, deren Darstellung nicht unbedingt des Tanzes bedarf. „Geschichten“ erzählen diese Kompositionen nur andeutungsweise: etwa „Adios Nonino“ ist als Trauermusik auf den Tod des Vaters entstanden, während eine „Tango Rhapsodie“ sich durchaus als Piazzollas Adaption einer Liszt’schen „Ungarischen Rhapsodie“ verstehen lässt.
Robert Schumanns Motto „Im Volkston“ könnte auch über vielen Werken Xaver Scharwenkas stehen. Sehr oft sind Hinweise auf Volksmusik schon in den Titeln direkt enthalten, wie in seinen zahlreichen „Polnischen Tänzen“, einem seiner größten Publikumserfolge. Aber auch der Melodiebau im Allgemeinen sowie eine meist unaufgebauschte Harmonik orientieren sich weit eher an volksliedhafter Schlichtheit als an dem zu Schwülstigkeit neigenden Ideal, dem die Spätromantiker seit Richard Wagner huldigten. Typisch für diesen Stil sind die 1880 erschienenen „Sechs Phantasiestücke“ opus 50 – zu denen die allermeisten Werke des von Scharwenka bewunderten Franz Liszt in größtem denkbarem Kontrast stehen.
Als einer der führenden Klaviervirtuosen seiner Zeit bereiste Liszt ganz Europa und verursachte allerorts wahre Begeisterungsstürme. Seine außergewöhnlichen pianistischen Fähigkeiten prägten auch seine Werke, in denen er harmonische Kühnheit mit melodischer Eingängigkeit und höchst anspruchsvollem und innovativem Klaviersatz auf publikumswirksame Weise vereinigte. Dabei griff er immer wieder auch in Mode befindliche Melodien anderer Meister oder neu aufkommende musikalische Nationalschulen auf: neben seiner Heimat Ungarn etwa das Spanische oder Italienische, wohin ihn zahlreiche größere Reisen führten. In Werken wie „Venezia e Napoli“, „Gondoliera“, „Canzone“ und „Tarantella“ verschmilzt Liszt typisch italienisches Kolorit mit großer Eingängigkeit und rauschender Virtuosität zu farbenfrohen musikalischen Hochglanzveduten.

Zum Künstler:
Als Sohn eines Pianisten hat Christian Seibert die Musik wortwörtlich in die Wiege gelegt bekommen. Geboren 1975 in Delmenhorst, trug ihn seine Klavierausbildung schnell hinaus in die Welt nach Köln und Wien. Er spielte seit seinem Examen auf zahlreichen Musikfestivals und Konzerten oder gab Soloabende, auch über die Grenzen Deutschlands hinaus, wie z.B. in Prag, London, New York, Atlanta oder Dubai. Eine seiner CD-Produktionen brachte ihn schließlich nach Frankfurt (Oder), wo er während einer Aufnahme mit dem Brandenburgischen Staatsorchester seine Frau kennenlernte. Er gründete in der Oder-Stadt eine Familie und eine Musikschule sowie ein Klavierfest (PianOdra). www.christian-seibert.net

Scharwenka Kulturforum, Bad Saarow