„Sehwege auf Usedom“ Tickets - Seebad Bansin, Hans Werner Richter-Haus

Event-Datum
Freitag, den 14. September 2018
Beginn: 19:30 Uhr
Event-Ort
Waldstraße 1,
17429 Seebad Bansin
Sonstige Ticket-Info
Veranstalter: Eigenbetrieb Kaiserbäder Insel Usedom (Kontakt)

Ticketpreise
ab 10,00 EUR
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„Sehwege auf Usedom“

Bild: „Sehwege auf Usedom“
Rosemarie Fret wurde 1935 in einer Fotografen- und Buchbinderfamilie in Anklam geboren und wuchs in der Landschaft des Peenedeltas und auf der Insel Usedom auf. Nach Abschluss einer Fotografie-Lehre in Rostock studierte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und am Institut für Literatur in Leipzig. Sie ist freischaffend als Autorin und Fotografin tätig.
Usedom - die „Sonneninsel“, ein Magnet für Urlauber, Künstler und Schöngeister. Der Text- und Bildband von Rosemarie Fret nimmt Sie mit auf eine unvergleichliche Entdeckungstour, und verleiht der beliebten Urlaubsinsel ein neues Gesicht.
In ihren Fotografien und Texten zeigt sich die tiefe Verbindung der Autorin zu Usedom, ihrer Heimat. Mit einem unverstellten Blick schaut Rosemarie Fret auf die Landschaft und zeigt uns Usedom von einer ganz persönlichen Seite. Aus Kurzgeschichten erfahren wir etwas über die Vergangenheit, über das Leben auf der Insel zu einer anderen, weit hinter uns liegenden Zeit. Wir erhaschen einen Blick durchs Schlüsselloch, durch das wir unbegreifliches, gar wundersames erblicken und doch nur erahnen können was wirklich geschehen ist. Sie schreibt ihr Leben auf und das ihrer Familie: Sie erzählt von ihrem Großvater, der eigentlich Maler werden wollte. Wie er mit einem Esel, Glasplatten und einem Dunkelkammerzelt über die Insel zog, um die Landschaft einzufangen mit einem Gemisch aus Schießbaumwolle, Äther und Alkohol. Doch die Seebad Heringsdorf AG wollte um 1890 keine Bilder vom Achterland. Man schickte sich an, ein exklusiver Badeort zu werden und Fotos von Promenaden, Seebrücken und leuchtenden Villen wurden gebraucht. So wurde der Großvater sesshaft. Er eröffnete das Atelier Carlos. Die Attraktion: Vor einem Hintergrund mit aufgemalter Seebrücke ein Ruderboot aus Pappe, darin nahm die Dame Platz, hinter ihr der Herr stand aufrecht mit dem Ruder in der Hand. Der besser betuchten Kundschaft goss er die fotografische Schicht in das Innere einer großen Muschel.
Der Bildband ist kein "Best-of"-Usedom, sondern das Vermächtnis einer Fotografin in dritter Generation: Ein Blick hinter die Kulissen der Sonneninsel, hinter die unausgeleuchteten Ecken, aber auch ein Blick in die Abgründe des 20. Jahrhunderts und wie sie sich in der Familiengeschichte widerspiegeln: Fret erzählt von den vielen Toten im Mai 1945: Anklamer, die Selbstmord begangen hatten und zu Identifikationszwecken fotografiert werden mussten. Sie erzählt von ihrem Vater, der nach dem Krieg ins Lager Fünfeichen kam und dort starb. Sie erzählt von der Sehnsucht nach der Welt, die ihre Kindheit und Jugend bestimmt hat und davon, wie sie, als sie reisen durfte, in der Toskana und anderswo fotografierte, aber das Gefühl hatte, es sind nicht ihre Fotografien: „Ich habe diese Bilder nicht gelebt" schreibt sie. Es scheint ein ganz und gar unmodernes Verständnis von Fotografie zu sein, das Fret pflegt: Bilder, die man sich erarbeiten muss. Ein Sehen, das geschult werden muss und viele Wege braucht. Keiner davon führt über empfohlene Urlauber-Panorama-Fotostopp-Punkte. Wenn Rosemarie Fret die Usedomer Kiefern, Erlen oder Buchen fotografiert, dann sieht man selten Wipfel oder Wurzeln. Es ist ein Blick auf das, was dazwischen stattfindet: das Leben eben.
In „Sehwege auf Usedom“ formen Fotografie und Text ein Gesamtbild der Insel, das abweicht von den touristischen Werbebildern, die wir so gewohnt sind. Ein Bildband, der Lust macht sich einmal abseits der Flaniermeilen und vorgezeichneten Wanderwege zu bewegen und Usedoms Geheimnisse zu entdecken. Besprochen im NDR 07/2017

Hans Werner Richter-Haus, Seebad Bansin