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THE 4 OF US – Sugar Island



SUNDAY TIMES | ALBUM REVIEW – Sugar Island is one of several landmarks referenced by the brothers in songs such as Going South and Hometown on the Border, the latter’s mention of ‘soldiers tapping their heels’ being especially evocative.

THE HERALD | ALBUM REVIEW – Melodic songs with a tender core and barbwire emotive edge.
IRISH TIMES – Sugar Island ALBUM REVIEW 4/5 – Border boys in troubled times | ‘Rational, perceptive pop/folk of the highest order’

“It was a dark time for sure, but as kids we still managed to have a lot of fun. Everyone who lived through that time has their own stories to tell; we thought we’d share some of ours.” Brendan Murphy

Nostalgie ist eine der fruchtbarsten Triebfedern der Kunst. Brendan und Declan Murphy haben diese Prämisse denkbar gut genutzt und werfen mit ihrem aktuellen Studioalbum „Sugar Island“ einen nostalgischen Blick zurück – und zwar auf die eigene Kindheit in den frühen 1970ern, als in ihrer Heimat der Nordirlandkonflikt seine bittersten Stunden erlebte. „The Troubles“, wie in Großbritannien diese konfliktreichen Jahre genannt werden, waren auch in dem Grenzstädtchen Newry, in dem die Murphys aufwuchsen, allgegenwärtig. Den beiden Brüdern, die unter ihrem Bandnamen The 4 of Us bereits Ende der 1980er erstmals durchstarteten, ist mit „Sugar Island“ ein fein gezeichnetes Sittenbild gelungen, das zwar vor dem Schrecken und der Bitterkeit des realen Terrors von damals nicht die Augen verschließt, doch letztlich überwiegen bei den zwölf mit gelassener Leichtigkeit interpretierten Songs die heiter-melancholischen Erinnerungen an eine glückliche Kindheit.
Die irische Presse ist jedenfalls begeistert von dem autobiographischen Spätwerk der beiden Brüder, die in diesen Tagen als Duo durch die internationale Clublandschaft touren. Die Hot Press findet das Album „exzellent“ und lobt die „vertrackten Arrangements“ und die „gekonnten Songtexte“ und die Irish Times schwärmt vom „in höchstem Maße scharfsinnigen Pop und Folk“. Zweifellos ist das nunmehr zehnte Album von The 4 of Us etwas Besonderes in ihrem Gesamtwerk, nicht nur weil es ihr persönlichstes ist. Brendan und Declan scheinen sich bei den Aufnahmen auch ganz auf ihre Stärken besonnen zu haben. Brendan ist der bessere Sänger und Songwriter – und Declan der filigranere Gitarrist und Arrangeur. Als eine Art Mentorin bei den Aufnahmen luden sie die amerikanische Countrymusikerin Sharon Vaughn ein, die Brendan in Nashville kennengelernt hatte, und die ihre künstlerische Erfahrung und ihre gesunde Distanz nutzte, um die beiden Brüder dabei zu unterstützen, das Albumprojekt „Sugar Island“ möglichst stringent und nachvollziehbar auszugestalten.

Schenkt man der Geschichtsschreibung in den Tiefen des Internets Glauben, haben Brendan und Declan bereits 1987 gemeinsam musiziert (sie könnten also in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiern). Das Debütalbum der von den zwei Brüdern gegründeten vierköpfigen Band The 4 of Us, „Songs For The Tempted“, erschien jedoch erst 1989 und erwies sich als formidables Rockalbum in den Fahrwassern originärer Bands jener Dekade wie den Waterboys und Huey Lewis & The News. Rocksongs für den Budenzauber in irischen Pubs. Das Album ging in den irischen Charts durch die Decke und wurde bei den Irish Music Awards als bestes Album noch vor U2 ausgezeichnet. Mit „Mary“ und „Drag My Bad Name Down“ enthielt das Album sogar zwei Chart-Hits. „Mary“ gehört heute noch bei jedem Konzert zu jenen Sing-Along-Encore-Tracks, die den nostalgischen Neigungen der Fans geschuldet ist. Auch wenn die Band über die Jahre mit den meisten ihrer Alben in den irischen Charts präsent blieb, erreichte sie nie mehr den Hype der frühen Jahre. Zwischenzeitlich veröffentlichte Brendan Murphy Soloalben und lebte sogar eine Weile in Nashville, Tennessee, um dort seine Songwriting-Skills zu verfeinern. Und das hat offensichtlich Früchte getragen.

Für „Sugar Island“ sind die beiden Brüder vielleicht noch ein wenig enger als je zuvor zusammengerückt. Die intime Produktion, bei der auf Drums ganz verzichtet wurde, ist bestes Indiz dafür, dass dieses Album mit den durchweg sehr privat und doch wunderbar allgemeingültig wirkenden Songs eine Herzensangelegenheit ist. Es ist ihnen zudem gut gelungen, das musikalische Kolorit jener Zeit für die eigenen Kompositionen zu adaptieren. Den lockeren Folkflair von Simon & Garfunkel („’73“) spürt man hier ebenso wie die staubige Verwehtheit eines Neil Young („Hell to Pay“) und den luftigen Laurel-Canyon-Hauch („Just A Drop“). Während „Bird’s Eye View“, der Opener dieses emotionalen Konzeptalbums, das Leben in Newry aus neugierigen Kinderaugen schildert, beschreibt „Going South“, wie es damals gewesen ist, von Newry ans Meer zu fahren und dafür die Checkpoints nach Irland passieren zu müssen. Zu dem Song „Going South“ gibt es übrigens einen Videoclip, in den Super-8-Aufnahmen aus einem damaligen Sommerurlaub eingebaut wurden. Das Covermotiv mit dem Familienporträt im Auto und den herrlich verblassten Farben stammt ebenfalls aus jener Zeit.
Während die meisten Songs aus der Perspektive eines Kindes (respektive Teenagers) geschrieben sind, gibt es eine Ausnahme. „Hometown On The Border“, der letzte Song des Albums, ist Brendans persönliche Rückschau auf seine Kindheit aus dem heutigen Blickwinkel. Über die damaligen Lebensumstände, zu denen es gehörte, dass Soldaten tagtäglich über die Straßen von Newry patrouillierten, schreibt er in dem Song: „just to ignore the facts and try to get creative/to put the world in order/hometown on the border“. Die „Flucht“ in die Kreativität hat sich gelohnt (auch wenn Brendan zunächst Jura studierte). Nicht vielen irischen Acts gelingt es, nach fast 30 Jahren als Musiker noch mit einem so erfrischenden Longplayer aufwarten zu können. „Sugar Island“ ist ein eindringliches, aber nie aufdringliches Album. The 4 of Us werden mit diesen Songs bei ihren Konzerten sicherlich hervorragend ankommen. Im Herbst 2017 waren die beiden Brüder auch im Grend im Vorprogramm von Madison Violet zu sehen. 2018 touren sie wieder als Headliner.