Alle denken immer, der Kirche liefen die Leute weg. In absoluten Zahlen ist das nicht nur falsch, relativ gesehen ist es nur relativ. „Wetten dass“ zum Beispiel schlägt sich mit ganz anderen Zahlen herum, und unter allen Zeitungen, die ihre Leser binden statt bilden, lernt jetzt selbst BILD, dass Einbuße mit Buße tun was zu tun haben könnte. Alle sind auf dem Sprung, warum auch nicht, das hält den Laden am Leben. Seltsam nur, wenn man just Kirchen unterschiebt, sie lebten so ein Leben aus schierer Not und täten, was sie tun, nicht aus Vergnügen.
Wir hier machen, was wir machen, weil es sinnvoll ist und weil, was sinnvoll ist, Spaß macht. Darüber - über urban urtyp und die Lust daran, Musik nicht nur zu hören, sondern zu erleben — hat Simone Lauenstein von der Deutschen Welle neulich mit netter Neugier einen kleinen Film gedreht. Über Ideen aus Plastik und Schlegel aus Flaschen und Billie Ray Martin vorm Kreuz. Toller Tag, toller Dreh, lieben Dank an Simone (und ein Gran weniger Dank an den, der bei der Deutschen Welle dann offenbar entschieden hat, die ganze Lust von urban urtyp müsse am Ende genauso so sein wie das, was sich in solchen Kirchen findet, die längst aufgegeben sind oder aufgegeben haben und sei daher am Ende dasselbe wie, sagen wir, die Lust in einem Loft, in dem man wohnt oder in einem Restaurant, in dem eine Suppe „Glücksschale“ heißt. Aber egal, wirklich witzig bleibt an diesem kleinen Film, wenn man sich vorstellt, dass er - es geht ums Deutsche Auslandsfernsehen - jetzt zum Beispiel in Saudi-Arabien empfangen wird. Kein Kopftuch aber Kirche, keine Burka aber Billie — was sie wohl anfangen mit so einer deutschen Welle?