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Bild: Wahnsinn aus Heimweh - Monsun TheaterBild: Wahnsinn aus Heimweh - Monsun Theater
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Information zur Veranstaltung

„Gebt mir Eure Müden, Eure Armen, Eure geknechteten Massen“ – so lautet seit 1886 der Ruf der amerikanische Freiheitsstatue in die Welt. Als ihm auch zwischen 1900 und 1914 Tausende Auswanderer folgen, kommt allerdings nicht jeder an ihr vorbei. Die Beamten der Immigrationsbehörde verhindern an der US-amerikanischen Grenze die Einreise Hunderter Glückssuchender oder weisen sie nachträglich aus; einige von ihnen mit der Begründung, „geisteskrank“ zu sein. Laut damaligem Einwanderungsgesetz dürfen u.a. „idiots, imbeciles, feeble-minded persons, epileptics, und “people with two or more attacks of insanity“ die USA nicht betreten – egal ob ihnen zu Recht oder Unrecht eine geistige Krankheit unterstellt wird.

Die Schifffahrtsgesellschaften bringen diese Abgewiesenen zurück in ihre Heimatländer – und der Weg führt sie zunächst nach Hamburg, in die – damals noch sogenannte – Irrenanstalt Friedrichsberg. Aus verschiedensten Gründen landen sie hier: Ignatz, der auf der Suche nach Arbeit die Armut Galiziens hinter sich lassen wollte. Katharina, die mit ihrem unehelichen Kind und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben in der moralischen Enge des Kaiserreichs keinen Platz gefunden hat. Sure, die vor antisemitischen Pogromen aus Russland geflohen war. Karl, der aus hoffnungsloser Liebe zu einem amerikanischen Fräulein beinahe Selbstmord beging. Adele, der Schlimmes widerfahren war, die aber im Wahn die Falschen für ihr Leid verantwortlich macht. Fedor, der dem „amerikanischen Volkskörper“ auf Grund seiner geringen Körpergröße nichts zu nutzen scheint. Als er sich weigert, zurückzureisen, wird „insane“ in seine Papiere notiert.

Die Schicksale der „geisteskranken Rückwanderer“ – wie sie in den Akten genannt werden – sind vielfältig und wurden durch die Friedrichsberger Ärzte in den Krankenakten festgehalten. Diese lagern noch heute im Archiv des Universitätsklinikums Hamburg. Basierend auf den Dokumenten hat sich ein Team von Theaterschaffenden an eine dokufiktionale und vielstimmige Inszenierung im Medizinhistorischen Museum gemacht. Kunst, Geschichte und Wissenschaft gehen Hand in Hand, um in diesem Konvolut aus unerzählter Migrations-, Psychiatrie- und Stadtgeschichte von Schicksalen besonderer Dimension zu erzählen – von denen, für die Hamburg kein Tor ZUR Welt war, sondern ein Warteraum auf dem Weg zurück in eine Heimat, die sie nicht mehr wollte.