Bequem und sicher zahlen
Summerwinds Festival: La Fonte, Fabrizio Ventura: Skandal! Machtspiele, Intrigen und Triumphe
La Fonte, Fabrizio Ventura  
Veranstalter:
GWK e.V. , Fürstenbergstraße 14, 48147 Münster, Deutschland
* Preise inkl. MwSt.,
pro Bestellung
Veranstaltungsinfos
La Fonte. Westfälisches Barockorchester
Fabrizio Ventura Leitung
Michael Schmidt-Casdorff, Traversflöte
Pablo Valetti, Violine
Guillaume Cuiller, Oboe
Catherine Jones, Cello
Katrin Lazar, Fagott
Daniel Glowotz, Moderation
Längst ist es kein Geheimtipp mehr, La Fonte, das mit internationalen Spitzenmusiker:innen besetzte westfälische Barockorchester unter Leitung von Fabrizio Ventura. Auch die Fürst zu Bentheimsche Musikaliensammlung Burgsteinfurt, ein internationaler Fundus der Musik des 18. Jahrhunderts, erfreut sich zunehmender Bekanntheit. Aus diesem Schatz, den die Reichsgrafen von Bentheim-Steinfurt damals zusammentrugen und der heute in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster liegt, komponieren Fabrizio Ventura und der Musikwissenschaftler Daniel Glowotz die originellen Konzertprogramme von La Fonte. 2026 geht es um „Skandal! Machtspiele, Intrigen und Triumphe“.
Die Adligen aus der westfälischen Provinz waren alles andere als provinziell. Reichsgraf Karl zu Bentheim und Steinfurt (1729–1780) sprach mehrere Sprachen, war weit gereist, hat in Paris gelebt, kannte Voltaire. Er und sein Sohn Ludwig (1756–1817) spielten virtuos Flöte. In der europäischen Musikszene gut vernetzt, sammelten sie auf ihren Reisen moderne Musik, doch auch bei ihren angestellten Musikern gaben sie Stücke in Auftrag. Denn die Grafen unterhielten eine bis zu 35-köpfige hochqualifizierte Hofkapelle, die im Sommer in der heimischen „Grande Galerie pour les concerts“ auftrat. Diesen schmucken Saal (heute „Bagno Konzertgalerie“) hatte Karl 1774 nach dem Vorbild des „Grand Trianon“ von Schloss Versailles in seinem weitläufigen Vergnügungspark, dem „Bagno“, gebaut. Hier spielte die Hofkapelle zeitgenössische Sinfonien, mitten im Saal und bei weit geöffneten Fenstern. Ihr Publikum saß nicht im Saal, sondern lustwandelte draußen im Park.
Dabei war der Bagno-Park nicht dem Adel vorbehalten, vielmehr mischten sich dort, bei freiem Eintritt, „gut gekleydete“ Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde und adelige Gäste – nach dem Vorbild der Londoner Vauxhall Gardens, einem berühmten (kostenpflichtigen) Unterhaltungspark, wo man flanierte, Musik hörte, sich traf und austauschte: ein Ort des Sehen-und-gesehen-Werdens. Insofern aber waren die Sinfonien, die die Hofkapelle im Bagno aufführte, politisch nicht „unschuldig“, konnten die Grafen die attraktive Szenerie doch als Ort der höfischen Repräsentation und auch die Konzerte (1774–1806) als subtiles Mittel adliger Selbstdarstellung und Machtausübung nutzen. Dies von 1774 bis 1806, noch bevor die Sinfonie im 18. und 19. Jahrhundert als höchste Form der Instrumentalmusik zur repräsentativen Kunstform des städtischen Bürgertums wurde, aufgeführt in öffentlichen Konzertsälen, vor einem heterogenen, zahlenden Publikum.
La Fonte bringt in seinem Programm „Skandal! Machtspiele, Intrigen und Triumphe“ das Spannungsfeld ästhetischer und politischer Ränkespiele im Westfalen des 18. Jahrhunderts mit kompositorischen Spitzenstücken, die damals am Burgsteinfurter Hof erklangen, auf die Bühne. Daniel Glowotz, Spezialist für die regionale Musikgeschichte jener Zeit, lüftet in seiner Moderation die skandalösen „stories behind the scene“.
Bei den Bagno-Konzerten gehörten, wie in London, die Sinfonien Joseph Haydns zu den beliebtesten Werken. Seine Sinfonia Concertante war eine der modernsten Repräsentantinnen der damaligen Orchestermusik. Mit Witz und Eleganz tritt das Solistenquartett, das untereinander in farbigen kammermusikalischen Wechselspielen agiert, dem Orchester gegenüber. Auch die Sinfonien des Opernreformers Christoph Willibald Gluck, als „Orpheus“ seiner Zeit damals gefeiert, spielten beim westfälischen Adel eine herausragende Rolle. Seine festlich-helle F-Dur-Sinfonie markiert die Schwelle zwischen höfisch-barocker Tradition und klassischer Klarheit. Ähnlich Friedrich Hartmann Grafs geschmackvoll-galantes Flötenkonzert. Der europaweit gefeierte Traversflötist war Hofmusikus und Komponist am Burgsteinfurter Hof, bis er wegen des moderner komponierenden Johann August Ludwig Fatken, der Amateurmusiker und im Hauptberuf Verwaltungsbeamter war, gekündigt wurde. Seine sympathische Sinfonia in Es-Dur changiert zwischen galantem und empfindsamen Stil und frühklassischer Klarheit.
Skandal!
Christoph Willibald Gluck (1714–1787): Sinfonie F-Dur, La Rue 13507
Joseph Haydn (1732–1809): Sinfonia Concertante B-Dur, Hob. I/105
Friedrich Hartmann Graf (1727–1795): Konzert G-Dur, Nr. 8 für Traversflöte und Orchester
Johann August Ludwig Fatken (+1787): Sinfonia Es-Dur, Nr. 2
Fabrizio Ventura Leitung
Michael Schmidt-Casdorff, Traversflöte
Pablo Valetti, Violine
Guillaume Cuiller, Oboe
Catherine Jones, Cello
Katrin Lazar, Fagott
Daniel Glowotz, Moderation
Längst ist es kein Geheimtipp mehr, La Fonte, das mit internationalen Spitzenmusiker:innen besetzte westfälische Barockorchester unter Leitung von Fabrizio Ventura. Auch die Fürst zu Bentheimsche Musikaliensammlung Burgsteinfurt, ein internationaler Fundus der Musik des 18. Jahrhunderts, erfreut sich zunehmender Bekanntheit. Aus diesem Schatz, den die Reichsgrafen von Bentheim-Steinfurt damals zusammentrugen und der heute in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster liegt, komponieren Fabrizio Ventura und der Musikwissenschaftler Daniel Glowotz die originellen Konzertprogramme von La Fonte. 2026 geht es um „Skandal! Machtspiele, Intrigen und Triumphe“.
Die Adligen aus der westfälischen Provinz waren alles andere als provinziell. Reichsgraf Karl zu Bentheim und Steinfurt (1729–1780) sprach mehrere Sprachen, war weit gereist, hat in Paris gelebt, kannte Voltaire. Er und sein Sohn Ludwig (1756–1817) spielten virtuos Flöte. In der europäischen Musikszene gut vernetzt, sammelten sie auf ihren Reisen moderne Musik, doch auch bei ihren angestellten Musikern gaben sie Stücke in Auftrag. Denn die Grafen unterhielten eine bis zu 35-köpfige hochqualifizierte Hofkapelle, die im Sommer in der heimischen „Grande Galerie pour les concerts“ auftrat. Diesen schmucken Saal (heute „Bagno Konzertgalerie“) hatte Karl 1774 nach dem Vorbild des „Grand Trianon“ von Schloss Versailles in seinem weitläufigen Vergnügungspark, dem „Bagno“, gebaut. Hier spielte die Hofkapelle zeitgenössische Sinfonien, mitten im Saal und bei weit geöffneten Fenstern. Ihr Publikum saß nicht im Saal, sondern lustwandelte draußen im Park.
Dabei war der Bagno-Park nicht dem Adel vorbehalten, vielmehr mischten sich dort, bei freiem Eintritt, „gut gekleydete“ Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde und adelige Gäste – nach dem Vorbild der Londoner Vauxhall Gardens, einem berühmten (kostenpflichtigen) Unterhaltungspark, wo man flanierte, Musik hörte, sich traf und austauschte: ein Ort des Sehen-und-gesehen-Werdens. Insofern aber waren die Sinfonien, die die Hofkapelle im Bagno aufführte, politisch nicht „unschuldig“, konnten die Grafen die attraktive Szenerie doch als Ort der höfischen Repräsentation und auch die Konzerte (1774–1806) als subtiles Mittel adliger Selbstdarstellung und Machtausübung nutzen. Dies von 1774 bis 1806, noch bevor die Sinfonie im 18. und 19. Jahrhundert als höchste Form der Instrumentalmusik zur repräsentativen Kunstform des städtischen Bürgertums wurde, aufgeführt in öffentlichen Konzertsälen, vor einem heterogenen, zahlenden Publikum.
La Fonte bringt in seinem Programm „Skandal! Machtspiele, Intrigen und Triumphe“ das Spannungsfeld ästhetischer und politischer Ränkespiele im Westfalen des 18. Jahrhunderts mit kompositorischen Spitzenstücken, die damals am Burgsteinfurter Hof erklangen, auf die Bühne. Daniel Glowotz, Spezialist für die regionale Musikgeschichte jener Zeit, lüftet in seiner Moderation die skandalösen „stories behind the scene“.
Bei den Bagno-Konzerten gehörten, wie in London, die Sinfonien Joseph Haydns zu den beliebtesten Werken. Seine Sinfonia Concertante war eine der modernsten Repräsentantinnen der damaligen Orchestermusik. Mit Witz und Eleganz tritt das Solistenquartett, das untereinander in farbigen kammermusikalischen Wechselspielen agiert, dem Orchester gegenüber. Auch die Sinfonien des Opernreformers Christoph Willibald Gluck, als „Orpheus“ seiner Zeit damals gefeiert, spielten beim westfälischen Adel eine herausragende Rolle. Seine festlich-helle F-Dur-Sinfonie markiert die Schwelle zwischen höfisch-barocker Tradition und klassischer Klarheit. Ähnlich Friedrich Hartmann Grafs geschmackvoll-galantes Flötenkonzert. Der europaweit gefeierte Traversflötist war Hofmusikus und Komponist am Burgsteinfurter Hof, bis er wegen des moderner komponierenden Johann August Ludwig Fatken, der Amateurmusiker und im Hauptberuf Verwaltungsbeamter war, gekündigt wurde. Seine sympathische Sinfonia in Es-Dur changiert zwischen galantem und empfindsamen Stil und frühklassischer Klarheit.
Skandal!
Christoph Willibald Gluck (1714–1787): Sinfonie F-Dur, La Rue 13507
Joseph Haydn (1732–1809): Sinfonia Concertante B-Dur, Hob. I/105
Friedrich Hartmann Graf (1727–1795): Konzert G-Dur, Nr. 8 für Traversflöte und Orchester
Johann August Ludwig Fatken (+1787): Sinfonia Es-Dur, Nr. 2
Ort der Veranstaltung
Erbdrostenhof
Salzstraße 38
48143 Münster