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Bild: Aynur
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Information zur Veranstaltung

Im Sommer 2004 reiste Regisseur Fatih Akin nach Istanbul, um für seine Filmdokumentation Crossing the Bridge den Sound dieser Stadt einzufangen. Eine Episode in einem monumentalen Bau, einem Hamam mit der Größe einer Kathedrale, sollte dabei zu den beeindruckendsten Momenten des Films zählen. Mit der Langhalslaute Saz in ihren Händen und ihrer Seele auf der Zunge nahm die kurdische Sängerin Aynur Platz und stimmte einen gleichwohl unter die Haut wie mitten ins Herz gehenden Klagegesang an. Dieser Auftritt machte Aynur auf einen Schlag international bekannt. Sie gilt seitdem als Sprachrohr ihrer kurdischen Heimat und steht vor allem auch für ein Selbstverständnis kurdischer Frauen, die aus den traditionellen Rollenbildern auszubrechen versuchen. „Meine Lieder drücken aus, dass ich eine Frau bin und Kriege, Lügen, Scheinheiligkeit, Respektlosigkeit und Gewalt hasse.“

Doch immer wieder gibt es auch Menschen, die in Sängerinnen wie Aynur eine Gefahr sehen. Während das britische Magazin fRoots Aynur nach ihrem Debutalbum 2005 prompt aufs Titelblatt hob, wurde das gleiche Album von einem Gericht in der anatolischen Stadt Diyarbakir verboten. Die Richter glaubten, Aynur würde mit ihrem Titelstück Keçe Kurdan („Kurdisches Mädchen“) alle Frauen aufrufen, sich dem kurdischen Widerstand anzuschließen. „In diesem Song geht es um Frauenrechte. Er ist ein Aufruf an die Frauen, für ihre Rechte zu kämpfen und sich gegen die männliche Dominanz durchzusetzen. Weil ich in kurdischer Sprache sang, wurde es so aufgefasst, als hätte ich die Kurden zur Rebellion aufgerufen.“ Bei einem Konzert in Istanbul 2011 sah sich Aynur heftigen Protesten türkischer Nationalisten gegenüber: »Wird die Nation nicht mehr geliebt? Sing türkisch! Hier ist die Türkei!« Trotz dieser Angriffe hat Aynur es in ihrer Heimat geschafft. So sang sie als erste Musikerin überhaupt in einem türkischen Kinofilm kurdisch.

„Meine musikalische Sprache ist Kurdisch. Wenn man sie durch Türkisch, Persisch, Arabisch oder andere Sprachen ersetzen würde, würde der tiefere Sinn der Lieder sich nicht ändern und die gleiche Geschichte erzählen. Ich glaube aber, dass Sprache der Zugang zur Musik ist. Die ›Klams‹, wie man kurdische Lieder nennt, und die Geschichten kommen aus meiner Seele, deswegen ist Singen auf Kurdisch unvermeidbar.“

Im Ausland ist sie ständiger Gast bei großen Festivals. Auf Einladung des amerikanischen Starcellisten Yo-Yo Ma war Aynur in Toronto, um mit ihm und seinem Silk Road Ensemble aufzutreten. Egal wo sie gastiert, ob bei der Weltmusikmesse WOMEX, bei klassischen Musikfestivals oder bei dem vom serbischen Kultregisseur Emir Kusturica initiierten Küstendorf International Film and Music Festival – überall zieht diese »Magierin der Klagelieder« (Hamburger Abendblatt) das Publikum in den Bann. Sie singt von Sehnsucht und Liebe, von Schmerz und Trennung, von Krieg und Zerstörung.

1975 wurde Aynur in der Provinz Tunceli geboren, die bei den Kurden ›Dersim‹ heißt. Entbehrungsreiche Jahre, zumal die Dorfgemeinschaft erst im Jahr 1983 über Strom verfügte. Doch die Liebe zur Musik begleitete sie von Beginn an, spielt diese doch in Glaube und Tradition der Aleviten eine zentrale Rolle: „Musik ist für uns ein Kommunikationsmittel. Bei der Geburt kommt man mit Musik in Berührung, in der Jugend und auch auf dem Friedhof wird Musik gespielt. Das ganze Leben ist Musik. Alle diese Einflüsse aus meiner Heimat finden sich in meinen Liedern wieder.“