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Cristina Branco
Im Januar 2017 ist auf o-tone music/Universal Portugal ein neues Album von Cristina Branco veröffentlicht. Der Frau, die bislang als „eine der erfolgreichsten Fadistas unserer Zeit“ galt. Wobei wir über den Begriff „Fadista“ in diesem Zusammenhang sprechen müssen:
Nun, es gibt einen Fado auf der neuen CD. Eine sehr starke, intime Version von „Ai, Esta Pena De Mim” von Amália Rodrigues. Aber er bleibt der Einzige. „Menina“ (junges Mädchen) heißt das Werk, in dem sich Branco das erste Mal in ihrer Karriere fast völlig über das Weltkulturerbe Fado hinaus wagt und tiefer schürft in der portugiesischen Kultur, als das ein breites Publikum jenseits der iberischen Halbinsel jemals gehört hätte.

Mit der Vertonung von Gedichten des weltberühmten Schriftstellers António Lobo Antunes oder der Spoken Word Art des avantgardistischen Rapstars Kalaf Angelos‘, mit Musik von Pedro da Silva Martins, Luís José Martins oder Mário Laginha vereint sie das Neue mit dem Alten; Portugals Moderne mit der traditionsreichen Geschichte. Ein Blick auf die Komponisten und Texter gibt einen tiefen Einblick in die aktuelle Musikszene Portugals: Neben den Genannten haben zum Beispiel auch André Henriques von Linda Martini, Luís Severo und Ana Bacalhau von Deolinda zu „Menina“ beigetragen. Hier reichen (blut)junge Popstars etablierten Großmeistern die Hand.

Ihrer bewährten Instrumentierung mit Konzertflügel (Luís Figuereido), Portugiesischer Gitarre (Bernardo Couto) und Kontrabass (Bernardo Moreira) bleibt Branco treu. Und so bleibt es folkloristischer Jazz, was wir auf dem neuen Album hören. Allerdings mit einem nicht zu leugnenden Hang zur Tradition amerikanischen Songwritings und mit klassischer Attitüde. Nicht viel anders also als das, was wir bisher von ihren Live-Konzerten kannten, bloß wurde der Pathos des Fado weitgehend durch den des Storytelling ersetzt. Saudade aber, die unübersetzbare portugiesische Schwermut, sie ist nicht herauszuschreiben aus Brancos Werk. Sie hat eben mehr als nur das eine Gesicht.
„Menina“, das „junge Mädchen“, ist der Reisebericht einer Portugiesin, die in einer niederländischen Fernsehsendung als Fadista entdeckt wurde, als solche aber schon immer eigene Wege gegangen ist. Und die das Geschenk ihrer einzigartigen Stimme, ihre Kreativität und Ausdrucksstärke dazu nutzt, die Entdeckungen ihrer Reise mit uns zu teilen. Erzählt aus der heterogenen Perspektive einer „Menina“… tanzend, singend, trauernd, lachend, liebend, träumend, grübelnd.

Gesang Cristina Branco
Konzertflügel (Luís Figuereido)
Portugiesischer Gitarre (Bernardo Couto)
Kontrabass (Bernardo Moreira)