Bild: Kai SchumacherBild: Kai Schumacher
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Information zur Veranstaltung

Neue Musik bedeutete in den 1950er Jahren vor allem eines: höchste Komplexität und maximale Entfremdung vom Publikum.

Das änderte sich Ende der 1960er Jahre radikal, als eine Gruppe Beatniks die musikalischen Ordnungender Avantgarde komplett umkrempelte und für einen der letzten großen Umbrüche in der E-Musik des 20.Jahrhunderts sorgte.

Komponisten wie Steve Reich befreiten die klassische Musik von den Dogmen des Serialismus und schufen eine neue Klangästhetik mit psychedelischerSogwirkung, die von den Rhythmen des indonesischen Gamelan, der Coolness des Freejazz und der Energie der Rockmusik geprägt war. Der übermäßigen Intellektualisierung der europäischen Neuen Musik setzen sie eine neue Art der Performance-Kultur entgegen: Die Lofts und Clubs der New Yorker Kunstszene wurden zu den Hotspots der Avantgarde und ließen Darmstadt und Donaueschingen plötzlich wie verstaubte Elfenbeintürme aus einer längst vergangenen Zeit erscheinen.

Die Minimal Music der 1960er Jahre setzte dabei auf eine neue Einfachheit der musikalischen Struktur, repetitive Elemente, tonale Harmonik und kompromisslose Reduktion des musikalischen Materials – die Idee der „Patterns“ war geboren, ohne die Genres wie Ambient, Techno oder Post-Rock undenkbar gewesen wären. Eine Ironie des Schicksals, dass eine Form der klassischen Musik, die vor wenigen Jahrzehnten noch für die letzten großen Aufführungsskandale des 20.Jahrhunderts verantwortlich war, bis heute Einfluss auf die Mainstream-Kultur nimmt wie keine andere vor ihr. Ausgehend von Steve Reichs Meisterwerk „Electric Counterpoint“ in einem Neuarrangement für Klavier und pre-recorded pianos wirft Kai Schumacher auf seinem Album „Beauty in Simplicity“ einen musikalischen Blick auf klassische Vorläufer und popkulturelle Nachfolger der Minimal Music. So werden Erik Saties fragile Klangflächen zum Wegbereiter der Ambient Music eines Brian Eno oder P.M. Hamels psychedelische Klavierwerke zur Inspiration für Klavier-Transkriptionen von Moderat.

Anstelle von digitaler Klangerzeugung setzt Kai Schumacher dabei ganz auf den Konzertflügel als vollanalogen Synthesizer und kreiert auf dem wohl klassischsten aller Instrumente durch Präparationen und sound processing scheinbar elektronische Klangwelten zwischen Drum-Machine und Wall of Sound.

Kai Schumacher nutzt seine klassische Ausbildung an der Folkwang-Hochschule Essen, die er 2009 in der Meisterklasse von Prof. Till Engel mit dem Konzertexamen mit Auszeichnung abschloss, um das scheinbar Unvereinbare zu vereinen: Der „Punk-Pianist“ (BR-Klassik) verwischt in seinen Konzerten die Grenzen von klassischer Avantgarde und Popkultur, ohne dabei in ausgetretenen Crossover- Pfaden steckenzubleiben. Ein Schwerpunkt in Schumachers Solo-Repertoire liegt dabei auf der amerikanischen Klaviermusik THE NEW SOUND OF CLASSICAL MUSIC des späten 20. und des 21.Jahrhunderts, neben diversen Urauffuhrungen und europäischen Erstauffuhrungen arbeitet er auch eng mit zahlreichen Komponisten der jungeren Generation zusammen. Für sein CD-Debüt bei WERGO wagte sich Kai Schumacher im Jahr 2009 an einen Meilenstein der modernen Klavierliteratur: „The people united will never be defeated“ von Frederic Rzewski, einem abendfullenden Variationszyklus uber das chilenische Revolutionslied „El pueblo unido jamas sera vencido“. Das Album wurde 2010 vom Magazin FonoForum als „pianistische Sensation“ gefeiert und als CD des Monats ausgezeichnet. Sein Album „Transcriptions“ (2013) dagegen widmet sich den musikalischen Helden seiner Jugend, wie z. B. Rage against the machine, Nirvana oder Slayer. Der Konzertflügel wird in Schumachers pianistischen Remixen mal zum vier Quadratmeter großen Klangungeheuer, zum mechanischen Effektgerät oder präparierten Schlagzeug. Auf seinem dritten Album „Insomnia“ (2015) werden fünf Hymnen an die Nacht – komponiert von fünf amerikanischen Komponisten über einen Zeitraum von fast 100 Jahren - zum psychedelischen Soundtrack einer nächtlichen Odyssee.

Mit „Beauty in simplicity“ verbindet Kai Schumacher jetzt Originalkompositionen undeigene Bearbeitungen fur Klavier und „Pianotronics“ zu einem repetitiven Set zwischen Meditation und Manie. In Werken aus drei Jahrhunderten von Erik Satie, Steve Reich oder Moderat trifft Minimal Music auf ihre ästhetischen Wegbereiter und Epigonen aus Ambient, Techno und Postrock.

Kai Schumacher arbeitet außerdem als Produzent und Arrangeur im Klassik- und Popbereich und konzertiert regelmäßig als Solist mit Orchestern. Konzertreisen fuhrten ihn nach England, Frankreich, Belgien, Holland, Polen, Bulgarien, Litauen, Türkei, Israel, Palästina, Südkorea, Kirgisien, Brasilien und die USA. Seit 2015 unterrichtet Kai Schumacher als Assistent von Prof. Till Engel eine Klavierklasse an der Folkwang-Universität der Künste, Standort Duisburg.