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Als ob Sie Besseres zu tun hätten

Mit ihrem ersten Soloprogramm geht die Kabarettistin an die Grenzen von political correctness und Bösartigkeit - und auch gerne darüber hinaus. Sie zieht Vergleiche von ÖSIS zu ISIS, verspottet Massentierhaltung und deckt zynisch die Scheinheiligkeiten des Dorfidylls auf. Sie zeichnet ein infernalisches Bild unserer Realität, entfernt den Weichzeichner und lässt das Publikum mit einer verzerrten Fratze namens "Wirklichkeit" zurück. Die Frage, wie real dieses Bild vielleicht doch ist, hallt in den Köpfen nach. Lisa Eckhart traut sich Dinge auszusprechen, die man nicht einmal denken mag - oder darf. Und genau da setzt sie an. Sie pfeift auf moralische Konventionen, was man darf oder nicht. Sie tut es einfach. Verstörend, polarisierend und bitterböse, aber immer auf hohem Niveau und mit eindrucksvoller Wortgewandtheit. Und mal ganz ehrlich, als ob Sie Besseres zu tun hätten.


Die Vorteile des Lasters

Es war nicht alles schlecht unter Gott. Gut war zum Beispiel, dass alles schlecht war. Denn alles, was man tat, war Sünde. Wir waren alle gute Christen und hatten einen Heidenspaß. Die Hölle zählte Leistungsgruppen, Ablässe waren das perfekte Last-Minute Geschenk und lasterhaft zu sein noch Kunst. Doch dann starb Gott ganz unerwartet an chronischer Langeweile. Und bei der Testamentsverlesung hieß es, wir wären alle von der Ursünde enterbt. Fortan war kein Mensch mehr schlecht, jedes Laster nunmehr straffrei und die Hölle wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. So fand der Spaß ein jähes Ende.

Heute ziehen Eisfirmen, Elektronikgeschäfte und jedes zweite Schlagerlied die sieben Sünden in den Dreck, indem man sie zur heiligen Tugend erklärt. Gott befahl uns zu entsagen, Coca Cola zu genießen. Man hat uns alles erlaubt und somit alles genommen. Polyamorie versaute die Unzucht. All-You-Can-Eat Buffets vergällten die Völlerei. Facebook beschämte die Eitelkeit. Ego-Shooter liquidierten den Jähzorn. Wellnesshotels verweichlichten die Trägheit. Sie alle haben´s schlecht gemeint. Doch schlecht gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von schlecht. Und kein Zweck heiligt das Mittelmaß.

Darum gilt es, die Sünden neu zu erfinden. Wie widersetzt man sich der Spaßgesellschaft ohne den eigenen Spaß einzubüßen? Wie empört man seine Umwelt ohne als Künstler verleumdet zu werden? Wie verweigert man sich dem Konsumerismus ohne auf irgendetwas zu verzichten? Wie verachtet man die Unterhaltungsindustrie ohne Adorno schmeichelnd ans Gemächt zu fassen? Wie wird man zum Ketzer einer säkularisierten Welt?

Seien Sie neidisch auf andere, doch anstatt ihnen nachzueifern, ziehen Sie sie auf Ihr Niveau. Seien Sie träge und zeigen Sie Ihrem Partner, wer in der Beziehung die Windeln anhat. Seien Sie jähzornig und beschimpfen Sie Werner Herzog. Seien Sie wollüstig und beschränken Sie sich nicht auf die zwei, drei Abgründe Ihres Körpers. Seien Sie eitel und entreißen Sie Ihre Schönheit dem trüben Auge des Betrachters. Seien Sie geizig und teilen Sie nicht länger brüderlich wie Kain den Schädel seines Bruders. Seien Sie maßlos in allem, nur niemals der Mittelmäßigkeit.

Lisa Eckhart

Eigentlich schließen sich stilvoll und vulgär aus. Nicht bei Kabarettistin Lisa Eckhart. Sie schafft das Unmögliche scheinbar mühelos und nimmt mit ihren scharfzüngigen Provokationen keine Rücksicht. Nicht einmal auf ihr Publikum.

Geboren im österreichischen Leoben und aufgewachsen in Graz zog es sie mit dem Studium in die Großstädte Europas. Wien, Paris, London und schließlich Berlin, wo sich ihr durch den Poetry Slam eine Bühne bot, auf der sie innerhalb kürzester Zeit zum Shootingstar wurde. Das Kabarett eroberte sie ebenso im Flug und sahnt seit Jahren die großen Kabarettpreise ab. Mit philosophischer Wortgewandtheit und rabenschwarzem Humor bewegt sie sich gekonnt am Rande des guten Geschmacks und macht ihr Publikum durchaus auch damit sprachlos.

Lisa Eckhart zeigt, wie niveauvoll Provokation und Boshaftigkeit sein kann, wenn man es richtig macht. Lassen Sie sich diese einzigartige Künstlerin nicht entgehen! (Quelle Text: af | AD ticket GmbH)