Bild: Phillip Boa and the Voodooclub
Phillip Boa and the Voodooclub Tickets live im Rahmen der Tour 2016. Phillip Boa and the Voodooclub spielen 25 bekannte Songs aus ihrem Gesamtwerk.
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Phillip Boa, der konsequenteste Indiepionier unseres Landes, hat mit "Aristocracie", "Boaphenia", "Hair" und "Copperfield" Meisterwerke für die Ewigkeit in petto und zudem ein paar veritable Hits ("Container Love", "This Is Michael", "Love On Sale", "And Then She Kissed Her", "I Dedicate My Soul To You") und eine Menge internationaler Anerkennung vorzuweisen. Dazu gab es mit "Loyalty" vor zwei Jahren ein herausragend elegantes Ausrufezeichen. Doch kein Grund für den nimmermüden Pop-Partisanen sich auszuruhen. In kreativer Hinsicht gehörte er stets zur Front der Inspirierten. Seine Stärken liegen im Sinn für Überraschungen, dem perfekten Händchen bei der Auswahl leidenschaftlicher Bandmitglieder und einem ausgeprägten Gefühl für musikalische Kontraste.

Entsprechend macht das aktuelle Studiowerk "Bleach House" da keine Ausnahme und klingt räudiger, expressiver und härter als "Loyalty". Alles ist also mal wieder anders und dennoch - oder besser deswegen - absolut BOA typisch. Die Songs selbst haben ein ganz eigenes Gesicht. Ein neuer Produzent sorgt für einen Sound, der mehr nach internationalem Alternative-Rock klingt und etwas weniger vordergründig nach den alten "Voodooclubbern". Auch wird Phillip Boa mit den Jahren anscheinend nicht älter sondern subtiler. Inmitten des entfesselt rockenden Strudels zickt hier ein Saxofon jazzig groovy und dort ein ekstatischer Bass. Ein Stück wie "Icons Of Anarchy" etwa setzt als American Punk angehauchter Wutklumpen ein zorniges Ausrufezeichen. Die Gitarren-Arbeit teilt sich Boa mit dem kongenialen Oli Klemm, der als eine Hälfte des nicht minder grandiosen Krautrock-Duos "Sankt Otten" kürzlich erst deren "Messias Maschine" entscheidend prägte. Trotz all der Power: die romantische Seite kommt nicht zu kurz. Mal melancholisch im Grundton, dann wieder dezent optimistisch. Klarer dramaturgischer Höhepunkt der Platte: "Chronicles Of The Heartbroken". Zärtliche Vocals und ein filigranes Arrangement mit einem minimalistischen Dialog von Gitarre und Drums. Textlich verpackt BOA alles, was es zu sagen gilt, in poetische, mitunter nahezu Dali-eske Gedankengänge, die im Ergebnis gelegentlich recht kryptisch ausfallen. Egal ob "Ueberblendung", "Down With The Protocols", das Titelstück oder die Single "Standing Blinded On The Rooftops". Wer sich auf textliche Erkundungsreise begibt, wird nicht enttäuscht werden. Humor und Selbstironie inklusive.

Auf "Bleach House" zeigt sich Phillip Boa einmal mehr als perfekter "Entertainer" und unermüdlicher Kämpfer gegen oberflächliche Kunst. Der Voodooclub ist weiterhin Garant herrlich ineinander geschachtelter Arrangements, dabei dermaßen ästhetisch fest gezurrt, dass die Musik keinen Moment lang überladen wirkt. Produziert wurde das Album von David Vella in den Temple Studios, Malta, abgemischt von Dougal Lott (Ray Davies, Marina and the Diamonds, Bombay Bicycle Club) in den Konk Studios, London und gemastert von Fred Kevorkian (The White Stripes, Peter Murphy, Billy Cobham, Sonic Youth und The National) in den Avatar Studios, New York.