Bild: Philosophische Reihe - Bad Nauheim
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Information zur Veranstaltung

Renaissance II

Nach dem stolzen Quattrocento in Italien, dem 15. Jahrhundert, verbreitet sich die Renaissance im 16. Jahrhundert im übrigen Europa, begünstigt durch Entwicklungen in Politik und Gesellschaft. Technische
Erfindungen haben einschneidende gesellschaftliche Veränderungen bewirkt. Das Schießpulver verlangt eine neue Art der Kriegsführung, in der Söldner die Ritter ersetzen – für diese, den niederen Adel, eine
Katastrophe. Er sinkt entweder ab ins Bauerntum oder begibt sich an einem Hof in die Abhängigkeit eines Fürsten.
Einen anderen Anstoß zu neuen Lebensformen gibt der Buchdruck. Nun verbreitet sich jede Neuigkeit in unerhörter Eile, allerdings nur in den Städten, in denen viele Menschen, auch aus unteren Schichten,
lesen können. In den Städten blühen Wirtschaft und Kultur, hier ist sozialer Aufstieg möglich. Humanismus und Reformation sind städtische Bewegungen, die das neue Medium eifrig nutzen. Das Land bleibt von dieser Errungenschaft ausgeschlossen.
Soweit es gelungen ist, die Fesseln der Tradition zu lösen oder wenigstens zu lockern, ist Forschung ohne Rücksicht auf Autorität möglich. Aber wer sich von Herrschaft befreit, verzichtet auch auf deren  Schutz. Die Anhänger der Reformation stehen ohne Kirche als Mittler allein vor Gott in ihrer Schuld und Schwäche. Auch Kräften der Natur sieht sich der Mensch nun ausgeliefert, die nie geleugnet, aber bisher von der Kirche in Schach gehalten wurden: dem Teufel und seiner Gefolgschaft und der Magie. Ihre Gesetze durch Alchemie zu erklären, ist ein Versuch, der nicht gelingt. Das Zeitalter der Renaissance ist nicht nur der Beginn freier Forschung, sondern auch der Hexenverfolgung.

(Quelle Text: www.bad-nauheim.de | AD ticket GmbH)